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Hartz-IV-Bezug und Armutsrisiko für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche in den neuen Bundesländern sind besonders häufig armutsgefährdet. Auffallend ist: In diesen Ländern leben viele unter 18-jährige in Hartz-IV Haushalten. Das ergeben Analysen des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ).

Ein Fünftel der unter 18-jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist von Armut gefährdet. Berechnungen des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) offenbaren dabei ein deutliches Ost-West-Gefälle. Während in Bremen mehr als jedes dritte Kind als armutsgefährdet gilt, ist es in Bayern nur jedes achte. Gemäß EU-Konvention gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn ihr Einkommen (dazu zählen auch staatliche Sozialleistungen) weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens eines Landes beträgt.

Zusammenhang mit Hartz-IV-Bezug

In den Ländern mit hoher Armutsgefährdungsquote leben auffallend viele Kinder in Hartz-IV-Haushalten. Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) lebte im Jahr 2016 fast jedes dritte Kind in Berlin und nur jedes vierzehnte Kind in Bayern in einer sogenannten Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft. Für insgesamt knapp zwei Millionen Kinder in Deutschland geht das Leben von Hartz IV also überwiegend mit einem erhöhten Armutsrisiko einher. Im Gegensatz zur offiziellen Hartz-IV-Hilfequote der BA bezieht das BIAJ bei dieser eigenen Berechnung auch die rund 200.000 Kinder ein, die zwar in Hartz-IV-Haushalten leben, aber keinen eigenen Leistungsanspruch haben.

Quelle: Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe, Darstellung: O-Ton Arbeitsmarkt.

Außer in Berlin lag die Armutsgefährdungsquote in allen Bundesländern über der Hartz-IV-Hilfequote. Das hängt erstens damit zusammen, dass nicht alle theoretisch hilfebedürftigen Familien auch Hartz-IV-Leistungen beantragen. Zweitens misst die Armutsgefährdungsquote das Einkommen von Personen im Vergleich zur gesamten Bevölkerung (O-Ton berichtete). In besonders einkommensschwachen Regionen wie in Ostdeutschland kann daher die Armutsgefährdungsquote das tatsächliche Ausmaß von Armut unterzeichnen.

Positive Entwicklung am Arbeitsmarkt kommt nicht bei allen an

Seit 2007 hat die Hilfebedürftigkeit von Hartz IV gerade für Kinder und Jugendliche weniger abgenommen, als die niedrige Arbeitslosenquote vermuten lässt. Dies zeigt die Statistik der BA. So ist die Zahl der Arbeitslosen zwischen 2007 und 2016 um knapp 22 Prozent gesunken, die Zahl der Personen in Hartz-IV-Haushalten jedoch nur um rund 15 Prozent. Der Rückgang der Zahl von Kindern in Hartz-IV-Haushalten liegt mit knapp 13 Prozent deutlich unter dem Rückgang der Arbeitslosigkeit und des Hartz-IV-Bezugs insgesamt. Weil gerade kinderreiche Familien auch trotz Einkommen aus Erwerbsarbeit oft auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind, ist der Aufschwung am Arbeitsmarkt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren am wenigsten spürbar (O-Ton berichtete).

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

 

 

Zum Weiterlesen:

Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe, BIAJ-Materialien – Kinder und Jugendliche: Armutsgefährdungs- und SGB-II-Quoten – Ländervergleich 2006 bis 2016, 16.09.2017. 

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen (Jahresheft) – Deutschland. 

Bundesagentur für Arbeit, Eckwerte der Grundsicherung SGB II – Deutschland, West/Ost, Länder und Kreise (Zeitreihe Monats- und Jahreszahlen ab 2007), Tabelle 3.2. 

Bundesagentur für Arbeit, Strukturen der Grundsicherung SGB II – Deutschland, West/Ost, Länder und Kreise (Zeitreihe Monats- und Jahreszahlen ab 2005), Tabelle 1. 

O-Ton Arbeitsmarkt, Armutsrisiko Kinder: Kinderreiche Familien haben größtes Hartz-IV-Risiko, 24.05.2017.

O-Ton Arbeitsmarkt, Statistikänderung lässt rund 130.000 Hartz-IV-Kinder verschwinden, 08.06.2016. 

O-Ton Arbeitsmarkt, Wie viele Kinder leben von Hartz IV – 1,6 oder doch 2 Millionen?, 22.05.2017. 

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