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Qualifikation von Flüchtlingen: Der Weg auf den Arbeitsmarkt

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigt: In Deutschland arbeitet schon jetzt mehr als die Hälfte der sozialversicherungspflichtig-beschäftigten Flüchtlinge mindestens auf dem Niveau einer Fachkraft. Dennoch gibt es großen Qualifizierungsbedarf für Flüchtlinge, denn von den arbeitslosen Flüchtlingen kann erst jeder Fünfte mindestens auf diesem Qualifikationsniveau eingesetzt werden.

Flüchtlinge am deutschen Arbeitsmarkt seien „mehr als nur Hilfsarbeiter“. Zu diesem Fazit gelangt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in seinem am 28. Dezember 2017 veröffentlichten Kurzbericht zu Beschäftigungsperspektiven für Flüchtlinge. Das IW berechnete, dass mehr als die Hälfte der in Deutschland sozialversicherungspflichtig-beschäftigten Flüchtlinge auf Niveau einer Fachkraft, eines Spezialisten oder Experten arbeiteten. Grundlage für die Erhebungen des IW ist die Statistik aus dem Migrations-Monitor der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Große Unterschiede zwischen Arbeitslosen und Beschäftigten

Die Erhebungen des IW lassen sich jedoch nicht auf die Gesamtheit der in Deutschland lebenden Flüchtlinge übertragen. Höher Qualifizierte können sich am Arbeitsmarkt schneller integrieren und schlechter Qualifizierte verbleiben häufiger und länger in Arbeitslosigkeit (O-Ton berichtete). Beschäftigte sind also tendenziell besser qualifiziert als Arbeitslose, auch im Fall der Geflüchteten, wie die Statistik der BA zeigt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Im Juni 2017 erreichten so rund 53 Prozent der knapp 157.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Flüchtlinge ein Qualifikationsniveau, das mindestens dem einer Fachkraft entspricht. Von den rund 192.000 arbeitslosen Flüchtlingen kann jedoch nur knapp 19 Prozent, also nicht einmal jeder Fünfte, mindestens auf Fachkraftniveau eingesetzt werden. Zudem bezieht sich die hier zitierte Statistik der BA nicht explizit auf Flüchtlinge, sondern auf Migranten, die aus den zuzugsstärksten außereuropäischen Asylherkunftsstaaten kommen. Die Statistik der Beschäftigten und Arbeitslosen enthält daher auch Daten von Personen, die schon vor der starken Fluchtmigration der letzten zwei Jahre eingewandert sind. Die Schnittmenge mit den Flüchtlingen ist dennoch sehr hoch.

Hartz-IV-Bezug von Flüchtlingen: Anstieg um rund 66 Prozent innerhalb eines Jahres

Es wäre fatal anzunehmen, dass sich die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen aufgrund der (scheinbar) hohen Qualifikation der Arbeitskräfte selbstständig vollzieht. Viele Flüchtlinge befinden sich noch in Sprach-, Integrations- und Qualifikationsmaßnahmen und zählen daher nicht offiziell als Arbeitslose. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen unterzeichnen die Herausforderungen, die einer Integration von Flüchtlingen am Arbeitsmarkt gegenüberstehen.

So zählte die BA-Statistik im Dezember 2017 rund 182.000 arbeitslose Flüchtlinge. Allerdings lebten bereits im September 2017 knapp 936.000 Flüchtlinge von Hartz-IV-Leistungen. Die in Deutschland lebenden Flüchtlinge werden also in den nächsten Jahren noch weitere Unterstützung und zusätzliche Förderungen benötigen um sich langfristig am Arbeitsmarkt etablieren zu können (O-Ton berichtete). Dass diese Perspektive für Flüchtlinge und Migranten existiert, zeigt auch die Auswertung des IW.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

 

 

Zum Weiterlesen:

Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe, Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus nichteuropäischen „Asylherkunftsländern“: Medien verbreiten zum Jahresende 2017 falsche Informationen des Institut der deutschen Wirtschaft, 29.12.2017.

Bundesagentur für Arbeit, Migrations-Monitor Arbeitsmarkt – Beschäftigte nach Staatsangehörigkeiten, Dezember 2017. 

O-Ton Arbeitsmarkt, Migranten am Arbeitsmarkt: Immer mehr Beschäftigte – und immer mehr Hartz-IV-Bezieher, 09.10.2017.

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