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Zahl der Leiharbeiter 2011 auf Höchststand

(o-ton) Im Jahresdurchschnitt 2011 gab es in Deutschland rund 882.000 Leiharbeitnehmer, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus den aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit zur Arbeitnehmerüberlassung hervor. Auch die Zahl der Verleihbetriebe ist gestiegen. Ende 2011 waren es 17.700, sieben Prozent mehr als noch Ende 2010.

Die Zeitarbeitsbranche boomt weiter. Im Jahresdurchschnitt 2011 stieg die Zahl der Leiharbeiter auf den bisherigen Höchststand von rund 882.000 Personen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs um 14 Prozent. Seit 2005 hat sich die Zahl der Leiharbeiter von etwa 444.000 fast verdoppelt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (2012): Leiharbeitnehmer und Verleihbetriebe, Deutschland, Zeitreihe, Berechnung und Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (2012): Leiharbeitnehmer und Verleihbetriebe, Deutschland, Zeitreihe, Berechnung und Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt

Gleiches gilt für die Verleihbetriebe. Im Dezember 2011 gab es circa 17.700 Leiharbeitsfirmen in Deutschland, so viele wie noch nie seit Aufzeichnung der Zahlen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Juli 2012), Leiharbeitnehmer und Verleihbetriebe, 2. Halbjahr 2011, Tabelle 4.3, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Juli 2012), Leiharbeitnehmer und Verleihbetriebe, 2. Halbjahr 2011, Tabelle 4.3, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt

37 Prozent der Leiharbeiter waren unmittelbar zuvor beschäftigt

Mit einem Anteil von 63 Prozent kam die Mehrheit der Leiharbeiter 2011 aus vorheriger Arbeitslosigkeit. 43 Prozent von ihnen waren zuvor maximal ein Jahr ohne Beschäftigung, aber nur bei jeweils 10 Prozent lag das letzte Arbeitsverhältnis länger als ein Jahr zurück oder sie waren noch nie beschäftigt. Für Langzeitarbeitslose und Menschen ohne Berufserfahrung scheint die Leiharbeit also eher wenig Perspektiven zu bieten.
Bei den übrigen 37 Prozent schloss die Leiharbeit direkt an ein vorheriges Arbeitsverhältnis an. Ob darunter Beschäftigungsverhältnisse gezielt beendet wurden, um die Mitarbeiter im Anschluss über eine Leiharbeitsfirma zu schlechteren Konditionen wieder zu beschäftigen, lässt sich nur vermuten.

Klebeeffekt oder Dauerleiharbeiter?

Leicht über die Hälfte (51 Prozent) der im zweiten Halbjahr 2011 ausgelaufenen Arbeitsverhältnisse zwischen Verleihfirma und Leiharbeiter dauerten weniger als drei Monate, rund neun Prozent davon sogar weniger als eine Woche. Bei den übrigen 49 Prozent hielt das Beschäftigungsverhältnis jedoch länger als drei Monate an. Wie viel länger als drei Monate, dazu schweigt die Statistik. Daher sind keine Aussagen darüber möglich, wie viele dieser Personen dauerhaft in der Leiharbeit stecken bleiben, ohne dass der Sprung in ein Beschäftigungsverhältnis außerhalb der Zeitarbeitsbranche gelingt.

Studien deuten auf einen eher geringen „Klebeeffekt“ in den Entleihbetrieben hin. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) legte 2010 eine Analyse vor, nach der nur sieben Prozent der zuvor Arbeitslosen zwei Jahre nach der Leiharbeit „überwiegend beschäftigt“ bleiben und die Leiharbeit dabei gänzlich hinter sich lassen.

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Zahlen, Arbeitnehmerüberlassung, Dezember 2011

IAB-Kurzbericht 13/2010, Brückenfunktion der Leiharbeit. Zumindest ein schmaler Steg

O-Ton im Interview mit dem IG Metall-Gewerkschaftssekretär Ali Yener (Verwaltungsstelle Koblenz) zum Thema Leiharbeit

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