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Klimawerte für den Weiterbildungssektor steigen trotz geringer Fördermittel

amnews-2-300x190Der Weiterbildungsmonitor (wbmonitor) meldet ein Rekordhoch der wirtschaftlichen Stimmung im Weiterbildungssektor. Besonders groß ist der Boom im Bereich der hauptsächlich durch Bundesagentur für Arbeit (BA) und Jobcenter finanzierten Anbieter.

Das Wirtschaftsklima in Weiterbildungseinrichtungen konnte nach Erkenntnissen des wbmonitor 2016 den früheren Höchststand aus 2008 übertreffen. Seit dem Tief im Jahr 2011 entwickelten sich die Zukunftserwartungen der Weiterbildungseinrichtungen anhaltend positiv. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anstieg des Klimawerts, zusammengesetzt aus Erwartungswerten und wirtschaftlichen Lagewerten, für durch Arbeitsagenturen und Jobcenter finanzierte Anbieter besonders auffallend. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen sie einen Anstieg um 36 Punkte auf das Rekordhoch von +54 und weisen – nach den vor allem betrieblich finanzierten Anbietern (+62) – das zweitbeste Klima auf.

Quelle: wbmonitor, Kulturelle Vielfalt, Ergebnisse der wbmonitor Umfrage 2016

Weiterbildungseinrichtungen rechnen mit hoher Nachfrage seitens BA und Jobcenter

Laut wbmonitor ist der Optimismus der durch BA und Jobcenter finanzierten Weiterbildungsanbieter mit den gestiegenen Flüchtlingszahlen der letzten Jahre verbunden. Seit 2015 konnten die hauptsächlich durch BA und Jobcenter finanzierten Anbieter einen Zuwachs an Teilnehmern in beruflichen Integrations- und Qualifizierungsmaßnahmen verbuchen. Erstens stellten die BA und die Jobcenter finanzielle Mittel für Einstiegskurse zum Erlernen der deutschen Sprache bereit. Zweitens konnten die Weiterbildungsanbieter wachsende Eintrittsahlen in Eingliederungs- und Weiterbildungsmaßnahmen verzeichnen. Nach Einschätzung des wbmonitor erwarten die Anbieter eine Fortsetzung dieses Aufwärtstrends. Der Erwartungswert von durch BA und Jobcenter finanzierte Anbieter habe um 51 Punkte zugenommen. Diese Einrichtungen würden damit rechnen, dass das Augenmerk von Arbeitsagenturen und Jobcenter nach dem Erwerb von Sprachkompetenz zukünftig auf der Aus- und Weiterbildung Geflüchteter liegen wird.

Hohe Erwartungshaltung bei unsicherer wirtschaftlicher Lage

Besonders fällt in diesem Zusammenhang auf, dass der Erwartungswert der von BA und Jobcenter geförderten Anbieter stärker gestiegen ist als der tatsächliche wirtschaftliche Lagewert. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Vergleich der extrem hohen Klimawerte mit der Entwicklung der Ausgaben für Eingliederungsmittel von BA und Jobcenter. Trotz der seit 2012 konstant niedrigen Eingliederungsmittel, die insgesamt für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Verfügung stehen, steigen die Klimawerte der von ihnen maßgeblich finanzierten Anbieter. Zwischen 2009 und 2012 sank das Volumen der verfügbaren Eingliederungsmittel bereits immens ab. Wirkte sich der Sparkurs der BA und Jobcenter in diesem Zeitraum noch auf die Klimawerte der Weiterbildungseinrichtungen aus, scheint ihr Wachstum seit 2012 von der finanziellen Realität der Eingliederungsmittel entkoppelt zu sein. Möglicherweise haben die massiven Ausgaben der BA und der Jobcenter für Flüchtlingsmaßnahmen zum Ende des Jahres 2015 diese Entwicklung noch verstärkt. Der Optimismus der von BA und Jobcenter finanziell abhängigen Weiterbildungseichrichtungen ist daher angesichts der geringen tatsächlich vorhandenen Mittel schwer nachvollziehbar.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (2008 bis 2015), Eingliederungsbilanzen: Bundesergebnisse und ausgewählte Kennzahlen nach Regionen Rechtskreis SGB II, Tabelle 1 und Bundesagentur für Arbeit, Interaktive Haushaltsdarstellung 2017, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Zum Weiterlesen:

Ambos, Ingrid; Koscheck, Stefan; Martin, Andreas (2017): Kulturelle Vielfalt – Ergebnisse der wbmonitor Umfrage 2016. Bonn.

Bundesagentur für Arbeit (2008 bis 2016), Eingliederungsbilanzen: Bundesergebnisse und ausgewählte Kennzahlen nach Regionen Rechtskreis SGB II, Tabelle 1.

Bundesagentur für Arbeit, Interaktive Haushaltsdarstellung 2017, Arbeitsförderung insgesamt (Beträge in Mrd. EUR) und Vergleichswerte.