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Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW: Ältere haben es nach wie vor schwer am Arbeitsmarkt

© contrastwerkstatt - Fotolia.com

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(o-ton) Die Arbeitsmarktsituation für ältere Menschen über 50 ist nach wie vor schwierig. Sie haben ein erhöhtes Risiko, langfristig von Hartz IV-Leistungen leben zu müssen. Dennoch werden sie immer seltener arbeitsmarktpolitisch gefördert. Ein Teil von ihnen taucht zudem nicht in der monatlichen Arbeitslosenstatistik auf. Das zeigt die aktuelle Ausgabe des Arbeitslosenreports NRW.

Der aktuelle Arbeitslosenreport NRW, ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen und des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik (IBUS) der Hochschule Koblenz, analysiert die Situation älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen. Hier die zentralen Ergebnisse:

Erhöhtes Risiko eines dauerhaften Hartz IV-Bezugs

Das Risiko einer dauerhaften Hilfebedürftigkeit ist bei Älteren überdurchschnittlich hoch. Über alle Altersgruppen hinweg liegt der Anteil der Langzeitleistungsbezieher (mindestens 21 der vergangenen 24 Monaten hilfebedürftig) an allen Hartz IV-Empfängern bei 67 Prozent. Bei den Älteren über 50 Jahren gehören hingegen 81 Prozent zu den Langzeitleistungsbeziehern. Zudem ist die Zahl der älteren Langzeitleistungsbezieher im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast 3.000 Personen beziehungsweise 1,2 Prozent gestiegen.

Ältere werden immer seltener arbeitsmarktpolitisch gefördert

Ältere Hartz IV-Empfänger erhalten kaum arbeitsmarktpolitische Förderung. Im April 2014 nahmen lediglich 5,9 Prozent der grundsätzlich förderfähigen Hartz IV-Empfänger über 50 Jahre auch tatsächlich an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teil. Im Vergleich zum Vorjahr ist die ohnehin niedrige Aktivierungsquote noch um 0,5 Prozentpunkte gesunken.

Geschönte Statistik: Fast 50.000 Ältere zählen nicht als arbeitslos

Die monatlich veröffentlichte Arbeitslosenzahl bildet das Ausmaß der Arbeitslosigkeit nicht vollständig ab, denn einen Teil der Arbeitslosen führt die Bundesagentur für Arbeit nicht in der Arbeitslosen-, sondern in der separaten Unterbeschäftigungsstatistik. Im August 2014 betraf dies etwa 180.000 Personen in Nordrhein-Westfalen, darunter rund 50.000 über 58-Jährige, die länger als zwölf Monate kein Jobangebot erhalten haben oder Arbeitslosengeld beziehungsweise Hartz IV-Leistungen unter erleichterten Bedingungen bezogen.

Ludger Jutkeit, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege in NRW, kritisiert: „Die in unzähligen Sonntagsreden hochgeschätzte berufliche Kompetenz und Erfahrung unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger wird durch die Ergebnisse des Arbeitslosenreports ad absurdum geführt.“ Er fordert daher eine wahrnehmbare Intensivierung der arbeitsmarktpolitischen Förderungen auch für Menschen über 50 und eine transparente Darstellung ihrer Situation.

Prof. Dr. Stefan Sell, Direktor des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik, sieht in den Ergebnissen einen Trend bestätigt: „Seit langem beobachten wir, dass sich die Arbeitsmarktpolitik von den Älteren abwendet. Der hohe Anteil der Langzeitleistungsbezieher unter den Älteren macht deutlich, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.“

Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen regelmäßig den „Arbeitslosenreport NRW“ in Kooperation mit dem Institut für Bildungs- und Sozialpolitik (IBUS) der Hochschule Koblenz. Ziel der Veröffentlichung ist es, den öffentlichen Fokus auf das Thema Arbeitslosigkeit als wesentliche Ursache von Armut und sozialer Ausgrenzung zu lenken, die offizielle Arbeitsmarktberichterstattung kritisch zu hinterfragen und dabei insbesondere die Situation in Nordrhein-Westfalen zu beleuchten. Jede Ausgabe widmet sich hierzu einem Schwerpunktthema. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und SGB II-Hilfequoten, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Basis der Analysen sind die Arbeitsmarktstatistiken der Bundesagentur für Arbeit.

Zum Weiterlesen:

Freie Wohlfahrtspflege NRW, Arbeitslosenreport NRW

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