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Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW: Atypische Beschäftigung auf dem Vormarsch

(o-ton) Am nordrhein-westfälischen Arbeitsmarkt breiten sich atypische Beschäftigungsverhältnisse immer weiter aus. Fast jeder Vierte arbeitet als Leiharbeiter, Mini-Jobber, in Teilzeit oder einem befristeten Arbeitsverhältnis. Auch die Zahl der Aufstocker ist in den letzten Jahren gestiegen. Gerade Hartz IV-Empfänger finden zudem, wenn überhaupt, meist nur eine Stelle als Leiharbeiter. Das zeigt die aktuelle Ausgabe des Arbeitslosenreports NRW.

Der aktuelle Arbeitslosenreport NRW, ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen und des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik (IBUS) der Hochschule Koblenz, analysiert atypische und prekäre Beschäftigung. Hier die zentralen Ergebnisse:

Fast jeder Vierte ist atypisch beschäftigt

Atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Leiharbeit, Mini-Jobs, Teilzeitbeschäftigung und befristete Beschäftigung breiten sich auf dem nordrhein-westfälischen Arbeitsmarkt immer weiter aus. Zwischen  2003 und 2013 stieg ihre Zahl von 1,4 auf 1,7 Millionen. Der Anteil der atypisch Beschäftigten an allen Erwerbstätigen wuchs entsprechend von 20 auf 23 Prozent. Damit war 2013 fast jeder Vierte in NRW atypisch beschäftigt.

Mehr als jeder vierte Hartz IV-Empfänger stockt auf – Der Großteil sind Mini-Jobber

Über 300.000 Menschen in Nordrhein-Westfalen waren im April 2014 erwerbstätig, bezogen aber dennoch Hartz IV-Leistungen, weil das Einkommen den Lebensunterhalt nicht abdeckte. Annähernd die Hälfte (42 Prozent) der Aufstocker sind in einem Mini-Job beschäftigt, 14 Prozent arbeiten in Vollzeit. In den letzten drei Jahren ist die Zahl der Aufstocker insgesamt leicht gestiegen. Der Anteil unter ihnen, der mit einem Mini-Job aufstockt, ist dabei weitestgehend konstant geblieben.

Arbeitslose: Jede fünfte neue Stelle ist ein Leiharbeitsverhältnis

Etwa jeder fünfte Arbeitslose, der 2013 eine Arbeit aufnahm, tat dies in der Leiharbeitsbranche. Gerade ehemalige Hartz IV-Empfänger müssen sich besonders häufig mit einem Job als Leiharbeiter zufrieden geben. Finden sie eine Arbeit, dann zu 25 Prozent bei einer Leiharbeitsfirma. Laut Daten der Bundesagentur für Arbeit sind Leiharbeitsverhältnisse aber selten von Dauer. Fast die Hälfte endet bereits nach weniger als drei Monaten. Zudem sind die Löhne in der Leiharbeit besonders niedrig und der Anteil der Aufstocker unter den Leiharbeitern ist überdurchschnittlich hoch.

Ludger Jutkeit, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege in NRW, kritisiert: „Die Ergebnisse des aktuellen Arbeitslosenreports der Wohlfahrtsverbände in NRW belegen, dass trotz einer Zunahme bei den Beschäftigungsverhältnissen im Verhältnis mehr atypische Arbeitsverhältnisse entstehen“. Man müsse aber auch selbstkritisch feststellen, dass die gemeinnützigen Sozialunternehmen, weil sie am Markt im Wettbewerb stehen, ebenfalls auf solche Beschäftigungsformen zurückgreifen.

Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen regelmäßig den „Arbeitslosenreport NRW“ in Kooperation mit dem Institut für Bildungs- und Sozialpolitik (IBUS) der Hochschule Koblenz. Ziel der Veröffentlichung ist es, den öffentlichen Fokus auf das Thema Arbeitslosigkeit als wesentliche Ursache von Armut und sozialer Ausgrenzung zu lenken, die offizielle Arbeitsmarktberichterstattung kritisch zu hinterfragen und dabei insbesondere die Situation in Nordrhein-Westfalen zu beleuchten. Jede Ausgabe widmet sich hierzu einem Schwerpunktthema. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und SGB II-Hilfequoten, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Basis der Analysen sind die Arbeitsmarktstatistiken der Bundesagentur für Arbeit.

Zum Weiterlesen:

Freie Wohlfahrtspflege NRW, Arbeitslosenreport NRW

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