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Aus Arbeitslosigkeit in Arbeit? Nur jeder dritte vormals Arbeitslose fand einen Job

Nur etwa jeder dritte Arbeitslose, der im April seine Arbeitslosigkeit beendete, fand auch tatsächlich einen Arbeitsplatz. Alle anderen zählten nicht als arbeitslos, weil sie beispielsweise an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilnahmen oder dem Arbeitsmarkt aus anderen Gründen nicht mehr zur Verfügung standen. In der Vergangenheit waren Arbeitsaufnahmen vormals Arbeitsloser zudem oft nicht nachhaltig: Mehr als ein Drittel der in 2015 geschlossenen Arbeitsverhältnisse endete bereits innerhalb des ersten Jahres.

Zahlreiche Arbeitslose beenden monatlich ihre Arbeitslosigkeit, obwohl sie eigentlich gar keine Arbeit gefunden haben. Denn nicht mehr arbeitslos sind Menschen für die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) auch dann, wenn sie beispielsweise dem Arbeitsmarkt wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen nicht mehr zur Verfügung stehen, an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilnehmen oder ein Praktikum absolvieren.

In Zahlen ausgedrückt: Von insgesamt rund 730.000 Abgängen aus Arbeitslosigkeit im April 2017 entfielen laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) nur 32,9 Prozent oder etwa 240.000 auf die Aufnahme einer Arbeitsstelle beziehungsweise einer selbstständigen Tätigkeit. Die übrigen 67 Prozent verteilten sich wie folgt:

–    Nichterwerbstätigkeit, beispielsweise aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit, Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen (33,5 Prozent),

–    geförderte Beschäftigung am zweiten Arbeitsmarkt oder Weiterbildungsmaßnahmen, darunter auch Praktika oder das Freiwillige Soziale Jahr (25,4 Prozent),

–    eine schulische oder berufliche Ausbildung beziehungsweise ein Studium (1,1 Prozent) und

–    „sonstige Abgänge“ (weitere 7,2 Prozent).

Nach der Abmeldung in Nichterwerbstätigkeit ist eine erfolgreiche Jobsuche damit lediglich der zweithäufigste Abgangsgrund aus Arbeitslosigkeit.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Arbeitslose Hartz-IV-Bezieher beenden Arbeitslosigkeit seltener durch erfolgreiche Jobsuche

Arbeitslose Hartz-IV-Bezieher beenden ihre Arbeitslosigkeit deutlich seltener durch Arbeit als Arbeitslose in der Arbeitslosenversicherung. Im April entfielen lediglich 15,6 Prozent der Abgänge aus Arbeitslosigkeit von Hartz-IV-Empfängern auf eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt oder eine Selbstständigkeit.

Demgegenüber stehen mit 32,1 Prozent deutlich höhere Abgänge der Hartz IV-Bezieher in Maßnahmen (darunter auch Praktika und FSJ) oder in Nichterwerbstätigkeit (40,6 Prozent). Bei den Arbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung (SGB III) hingegen fand mehr als jeder Zweite (50,2 Prozent) eine Arbeit oder machte sich selbstständig.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Neue Arbeitsverhältnisse: Ein Drittel endet innerhalb eines Jahres

Von den Arbeitslosen, die es tatsächlich schaffen, einen Job zu finden, fällt mehr als jeder Dritte innerhalb der ersten 12 Monate wieder in Arbeitslosigkeit zurück. Dies geht aus statistischen Auswertungen der BA von in 2015 begründeten Arbeitsverhältnissen hervor. Auch bei hier unterschieden sich vormalige Hartz-IV-Empfänger von vormaligen Empfängern von Arbeitslosengeld. Während rund zwei Drittel der vormaligen Arbeitslosen im Bereich SGB III nach einem Jahr noch ihre Arbeitsstelle halten konnten, waren es bei den vormaligen Hartz-IV-Empfängern mit 55% nur etwas mehr als die Hälfte. Für ehemalige Leistungsempfänger im SGB II ist es also wesentlich schwieriger, sich langfristig auf dem Arbeitsmarkt zu etablieren.

Ehemalige Hartz-IV-Empfänger: Mehr Langzeitarbeitslose, oft Vermittlung in Leiharbeit

Mögliche Erklärungen hierfür lassen sich in der Struktur der Arbeitslosen im Hartz-IV-Bezug finden. So sind Hartz-IV-Empfänger häufiger als Empfänger von Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung langzeitarbeitslos und haben alleine deshalb schlechtere Chancen auf einen Arbeitsplatz (O-Ton berichtete). Im April 2017 war fast jeder Zweite der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger langzeitarbeitslos, bei arbeitslosen Empfängern von Arbeitslosengeld war es nur jeder Zehnte.

Zudem werden insbesondere Arbeitslose im Hartz-IV-Bezug oft in Leiharbeit vermittelt. Rund 35,9 Prozent der ehemaligen Hartz-IV-Empfänger nahmen in 2016 einen Job bei einem Arbeitnehmerüberlasser bzw. einem Leiharbeitgeber auf. Im Vergleich: Bei Arbeitslosen, die zuvor Arbeitslosengeld bezogen hatten, waren es nur rund 31,2 Prozent. Von diesen neu geschlossenen Arbeitsverhältnissen hielt nur jedes fünfte mehr als ein Jahr (O-Ton berichtete).

 

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen im Vergleich, April 2017, Tabelle 2.1.

Bundesagentur für Arbeit, Herkunft und Verbleib von Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, April 2017, Tabelle 1.

Bundesagentur für Arbeit, Abgang und Verbleib von Arbeitslosen in Beschäftigung, Dezember 2016, Tabelle 12.

O-Ton Arbeitsmarkt, Langzeitarbeitslosigkeit – Nur jeder Zehnte schafft es in Arbeit,10.05.2017.

O-Ton Arbeitsmarkt, Jede dritte Vermittlung der Arbeitsagentur führt in Leiharbeit,23.05.2017.

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