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Aus Arbeitslosigkeit in Arbeit? Nur jeder dritte vormals Arbeitslose findet einen Job

(o-ton) Nur etwa jeder dritte Arbeitslose, der im September 2013 seine Arbeitslosigkeit beendete, fand auch tatsächlich einen Arbeitsplatz oder machte sich selbstständig. Alle anderen zählten nicht mehr zu den Arbeitslosen, weil sie beispielsweise eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme begannen oder dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung standen. Von den vormals Arbeitslosen, die tatsächlich in Arbeit kommen, landen überdurchschnittlich viele in der Leiharbeit. Dort herrscht ein stetiges Kommen und Gehen, besonders von „Hartz IV“-Empfängern.

Zahlreiche Arbeitslose beenden monatlich ihre Arbeitslosigkeit, obwohl sie eigentlich gar keine Arbeit gefunden haben. Denn nicht mehr arbeitslos sind Menschen für die Statistik auch dann, wenn sie beispielsweise dem Arbeitsmarkt wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen nicht mehr zur Verfügung stehen, an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilnehmen oder ein Praktikum absolvieren.

In Zahlen ausgedrückt: Von insgesamt 730.000 Abgängen aus Arbeitslosigkeit im September 2013 entfielen laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) nur rund 29 Prozent oder etwa 210.000 auf die Aufnahme einer Arbeitsstelle beziehungsweise einer selbstständigen Tätigkeit. Die übrigen 71 Prozent verteilten sich wie folgt:

  • Nichterwerbstätigkeit, beispielsweise aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit, Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen (34,2 Prozent),
  • geförderte Beschäftigung am zweiten Arbeitsmarkt oder Weiterbildungsmaßnahmen, darunter auch Praktika oder das Freiwillige Soziale Jahr (20,1 Prozent),
  • eine schulische oder berufliche Ausbildung beziehungsweise ein Studium (8,5 Prozent) und
  • „sonstige Abgänge“ (weitere 8,5 Prozent).

Nach der Abmeldung in Nichterwerbstätigkeit ist eine erfolgreiche Jobsuche damit lediglich der zweithäufigste Abgangsgrund aus Arbeitslosigkeit.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (September 2013), Herkunft und Verbleib von Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, Tab. 2.1, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (September 2013), Herkunft und Verbleib von Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, Tab. 2.1, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Arbeitslose „Hartz IV“-Bezieher beenden Arbeitslosigkeit seltener durch erfolgreiche Jobsuche

Arbeitslose „Hartz IV“-Bezieher (SGB II) beenden ihre Arbeitslosigkeit deutlich seltener durch Arbeit als Arbeitslose in der Arbeitslosenversicherung. Im September 2013 entfielen lediglich 16,8 Prozent der Abgänge aus Arbeitslosigkeit von „Hartz IV“-Empfängern auf eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt oder eine Selbstständigkeit. Bei den in der Regel kürzer Arbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung (SGB III) hingegen fanden annähernd die Hälfte (43,9 Prozent) aller Abgänger aus Arbeitslosigkeit eine Arbeit oder machte sich selbstständig. Demgegenüber stehen mit 23,9 Prozent deutlich höhere Abgänge der Hartz IV“-Bezieher in Maßnahmen (darunter auch Praktika und FSJ) oder in Nichterwerbstätigkeit (39,3 Prozent).

Aus Arbeitslosigkeit in Arbeit und zurück: Die Leiharbeit

Die vormals Arbeitslosen, die eine Arbeit finden, kommen überdurchschnittlich häufig in der Leiharbeitsbranche unter. 22,9 Prozent oder mehr als jeder fünfte Wechsel aus Arbeitslosigkeit in ein Arbeitsverhältnis entfiel im Juli 2013 auf die Arbeitnehmerüberlassung. Damit rangiert die Branche mit deutlichem Abstand auf Platz eins der Arbeitgeber für vormals Arbeitslose. Es folgen die wirtschaftlichen Dienstleistungen (13,6 Prozent), darunter beispielsweise Reinigungsunternehmen oder Call Center, und der Handel (12,9 Prozent).

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (September 2013), Herkunft und Verbleib von Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, Tab. 4.2, Daten nach einer Wartezeit von 2 Monaten, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (September 2013), Herkunft und Verbleib von Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, Tab. 4.2, Daten nach einer Wartezeit von 2 Monaten, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Vormals arbeitslose „Hartz IV“-Bezieher müssen sich wiederum deutlich häufiger mit einer Stelle als Leiharbeiter zufrieden geben. Mehr als jede vierte Arbeitsaufnahme eines vormals arbeitslosen „Hartz IV“-Beziehers (27 Prozent) entfiel im Juli 2013 auf die Leiharbeitsbranche. Es folgen mit einem Abstand von über elf Prozentpunkten die wirtschaftlichen Dienstleistungen (15,7 Prozent) und der Handel (11,2 Prozent). Von den ehemaligen SGB II-Arbeitslosen hingegen gingen hingegen „nur“ rund 21 Prozent in die Leiharbeit.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Juli 2013), Herkunft und Verbleib von Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, Tab. 4.2, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Juli 2013), Herkunft und Verbleib von Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, Tab. 4.2, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Umgekehrt „produziert“ die Leiharbeitsbranche auch besonders viele Arbeitslose. Mit 13,4 Prozent liegt sie an dritter Stelle aller Zugänge aus Arbeit in Arbeitslosigkeit im Juli 2013. Leicht darüber liegen nur der Handel (14,8 Prozent) und die wirtschaftlichen Dienstleistungen (14,4 Prozent). Beachtlich sind die Werte der Leiharbeit vor allem vor dem Hintergrund, dass sie, trotz massiven Wachstums in den letzten Jahren, eine relativ kleine Branche ist. Ihr Anteil an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten macht im Juli 2013 lediglich 2,7 Prozent aus.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Juli 2013), Herkunft und Verbleib von Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, Tab. 3.2, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Juli 2013), Herkunft und Verbleib von Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, Tab. 3.2, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Aus Arbeit direkt in „Hartz IV“: Leiharbeit trauriger Spitzenreiter

Ungefähr jeder vierte Neu-Arbeitslose, der im Juli 2013 direkt „Hartz IV“-Leistungen beantragen musste, war zuvor in der Leiharbeit beschäftigt. Es folgen die wirtschaftlichen Dienstleistungen mit rund 17 und der Handel mit etwa 12 Prozent. In diesen Fällen zeigen sich die Auswirkungen besonders kurzer Beschäftigungszeiten und/oder niedriger Löhne in der Leiharbeit. Die ehemaligen Leiharbeiter und nun (wieder) Arbeitslosen erfüllen besonders häufig nicht die Anspruchsvoraussetzungen auf Arbeitslosengeld und fallen sofort (zurück) in das „Hartz IV“-System. Umgekehrt schaffen es vergleichsweise wenige ehemalige Leiharbeiter in den Arbeitslosengeldbezug. Unter den Neu-Arbeitslosen, die Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben haben, liegt der Anteil der vormals in der Leiharbeit Beschäftigten hingegen bei lediglich 10,7 Prozent.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Juli 2013), Herkunft und Verbleib von Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, Tab. 3.2, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Juli 2013), Herkunft und Verbleib von Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, Tab. 3.2, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Herkunft und Verbleib von Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, Deutschland, September 2013