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Bundesagentur für Arbeit sieht bessere Perspektiven für Arbeitslose – oder doch nicht?

© Gabriele Rohde - Fotolia.com

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(o-ton) „Die Perspektiven für Arbeitslose verbessern sich allmählich.“ Das schreibt die Bundesagentur für Arbeit in der Zusammenfassung ihres aktuellen Arbeitsmarktberichts. Doch es lohnt sich, bei dem umfangreichen Papier etwas genauer hinzusehen. Denn in den Ausführungen relativiert die Statistikbehörde ihre eigene These.

„Die Perspektiven für Arbeitslose verbessern sich allmählich. […] Nachdem Arbeitslose in den vergangenen zwei Jahren wenig vom Beschäftigungsaufbau profitierten, gelingen nun wieder mehr Beschäftigungsaufnahmen.“ So lautet die frohe Botschaft, die die Bundesagentur für Arbeit (BA) in ihrem aktuellen Monatsbericht verkündet. Und auch Arbeitsministerin Nahles resümiert auf Basis der BA-Informationen: „Arbeitslose profitieren vom Beschäftigungsaufbau.“ Doch so rosig ist die Situation gar nicht. Denn einige Seiten weiter hinten im 80 Seiten starken Papier relativiert die BA die eigene Jubelmeldung.

Wie groß die Chancen des einzelnen Arbeitslosen am Arbeitsmarkt sind, misst die Bundesagentur für Arbeit mit der Abgangsrate. Sie beziffert den Anteil der Arbeitslosen, die eine Arbeit fanden, an allen Arbeitslosen. Zwischen April 2013 und März 2014 hat sich die Quote leicht auf 6,54 Prozent erhöht. Im Vorjahr lag sie noch bei 6,47 Prozent. „Bezogen auf den Arbeitslosenbestand meldeten sich mehr Menschen aufgrund von Arbeitsaufnahmen aus der Arbeitslosigkeit ab als im gleichen Vorjahreszeitraum“, so das Urteil der Bundesagentur für Arbeit. „Die individuellen Chancen, die Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Beschäftigung zu beenden, haben sich zuletzt verbessert“, heißt es weiter.

Für den einzelnen Arbeitslosen sind die Chancen am Arbeitsmarkt gesunken

Trotzdem war es weder für den einzelnen Kurz- noch Langzeitarbeitslosen einfacher, eine Arbeit zu finden. „Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Chancen, durch Arbeitsaufnahme die Arbeitslosigkeit zu beenden, in beiden Rechtskreisen verringert“, schreibt die BA in derselben Veröffentlichung. Von den kurzzeitig Arbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung schaffte es etwa jeder siebte in Arbeit (13,49 Prozent), von den arbeitslosen Hartz IV-Empfängern nur jeder 32ste (3,15 Prozent). Im Vorjahr lagen die Werte noch bei 13,6 Prozent in der Arbeitslosenversicherung und 3,2 Prozent im Hartz IV-System. Ja, was denn nun?

Die leider rein statistische Erklärung: Unter allen Arbeitslosen gab es zuletzt wieder mehr Kurzzeitarbeitslose (SGB III), denen die Arbeitssuche leichter fällt und deren Abgangsrate entsprechend höher liegt. Alleine diese Verschiebung im Verhältnis zwischen Kurz- und Langzeitarbeitslosen hat die Gesamtquote erhöht. „Dass die rechtskreisübergreifende Abgangsrate trotzdem gestiegen ist, hängt damit zusammen, dass der Anteil der Arbeitslosen aus dem Rechtskreis SGB III mit den besseren Beschäftigungschancen zugenommen hat“, erklärt die BA den vermeintlichen Erfolg.

2011 und 2012 erreichte die Abgangsrate noch um die sieben Prozent

Man wird den Eindruck nicht los, dass hier ein Erfolg konstruiert werden soll, der eigentlich keiner ist. Das auch, weil der Anstieg der Gesamtquote nur dadurch sichtbar wird, dass die BA die Abgangsrate im aktuellen Monatsbericht auf zwei Nachkommastellen darstellt, statt wie sonst üblich zu runden. Ansonsten wäre ein minimaler Anstieg von 6,47 und 6,54 Prozent gar nicht zu erkennen. Noch fragwürdiger wird die Positivmeldung für Arbeitslose zudem, wenn man mit den Abgangsraten der Vorjahre vergleicht. Zwischen April 2011 und März 2012 fanden noch 7 Prozent aller Arbeitslosen einen Job, im Jahr davor waren es 7,1 Prozent. Aber diese Zahlen hat die Statistikbehörde im aktuellen Monatsbericht, im Gegensatz zum Vorjahr, schlichtweg nicht erwähnt.

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland – Monatsbericht März 2014, S.8, 13, 16f.

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