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Bundesprogramm für Langzeitarbeitslose: 29 Prozent Abbrüche

Nahezu ein Drittel der Arbeitsverhältnisse, die im Bundesprogramm für Langzeitarbeitslose zustande gekommen waren, wurden bisher abgebrochen. Das zeigt die Erfolgsbeobachtung des Bundesverwaltungsamts. Bis zum Jahresende 2017 wurden außerdem nur rund 20.000 anstatt von ursprünglich über 30.000 geplanten Teilnehmern in diesem Programm gefördert. Eine Trendwende ist nicht mehr in Sicht.

Bis zum 31. Dezember 2017 erhielten knapp 20.500 Langzeitarbeitslose und arbeitsmarktferne Personen eine Förderung im Rahmen aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanzierten Sonderprogramms zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit. Das geht aus der Erfolgsbeobachtung des Bundesverwaltungsamts hervor. Laut Bundesverwaltungsamt weist das Programm – gemessen an knapp 22.000 geplanten Teilnehmern – eine Erfüllungsquote über 90 Prozent auf. Allerdings war ursprünglich die Förderung von über 30.000 Teilnehmern geplant (O-Ton berichtete).

Die Statistik der BA zeigt, dass der Teilnehmerbestand im ESF-Bundesprogramm seinen Zenit bereits im Juli 2017 mit knapp 13.500 Teilnehmenden erreicht hatte. Im Februar 2018 nahmen nur noch rund 11.000 Personen im ESF-Bundesprogramm teil (Zahl vorläufig und hochgerechnet). An diesem Abwärtstrend wird sich mit Sicherheit auch nichts mehr ändern. Denn obwohl das Programm erst am 30. Dezember 2020 ausläuft, waren Einmündungen in das Programm nur noch bis zum 31. Dezember 2017 möglich. Zuvor war schon am 31. Juli 2017 die Förderung der Betriebsakquisiteure im Programm geendet.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Abbruchquote von 29,4 Prozent

Seit August sind die Teilnehmerzahlen im ESF-Bundesprogramm für Langzeitarbeitslose rückläufig. Diese Entwicklungen erklärt sich fast ausschließlich durch die wachsende Anzahl von Programmabbrüchen. Zum Stichtag des 31. Dezember 2017 lag die Abbruchquote laut der Erfolgsbeobachtung des Bundesverwaltungsamts mit rund 6.000 Abbrüchen bei über 29 Prozent. Die Abbrüche erfolgten überwiegend von Seiten der Arbeitgeber. Rund 1.500 bzw. ein Viertel der Abbrüche erfolgte durch die Arbeitnehmer.

Was passiert mit den Abbrechern?

Angesichts der hohen Abbruchquote muss die Frage gestellt werden, welches arbeitsmarktpolitische Angebot den Abbrechern gemacht werden kann. Das eigentliche Ziel des ESF-Bundespogramms ist, einen Eintritt auf den Arbeitsmarkt für Personen mit mehreren Vermittlungshemmnissen zu ermöglichen. Öffentlich geförderte Beschäftigung soll also marknah für eine arbeitsmarktferne Zielgruppe realisiert werden. Offensichtlich waren jedoch die Anforderungen des Programms für mehrere tausend Abbrecher nicht erreichbar. Daher wäre nun eine Diskussion folgerichtig, die hinterfragt, welche Möglichkeiten zur Teilhabe an der Arbeitswelt für diesen Personenkreis infrage kommen.

Quelle: Bundesverwaltungsamt, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Teilnehmerstruktur: Mehr als jeder Fünfte ist 55 Jahre und älter

Die hohe Abbruchquote könnte in der Teilnehmerstruktur begründet sein. Denn die Zielgruppe des Bundesprogramms besteht aus besonders arbeitsmarktfernen Personen. Im Ergebnis ist es für diese Personen umso schwerer, sich, selbst mit der Förderung, wieder in der Arbeitswelt zu etablieren. Aus der BA-Statistik geht hervor, dass mehr als ein Fünftel der Teilnehmer 55 Jahre und älter ist. Außerdem waren die Teilnehmer fast immer (zuvor) langzeitarbeitslos. Langzeitarbeitslosigkeit und Alter sind oft Hürden bei einem Eintritt auf den Arbeitsmarkt. Auffallend ist auch, dass knapp zwei Drittel der Teilnehmenden männlich sind.

 

 

Zum Weiterlesen:

Andreas Hammer, Entwicklung des Programms zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit zum Dezember 2017, 07.03.2018.

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktpolitische Instrumente – Deutschland, West/Ost, Länder, Kreise, Regionaldirektionen, Agenturen für Arbeit (Zeitreihe Monatszahlen), Februar 2018.

Bundesverwaltungsamt, Erfolgsbeobachtung des LZA-Programms – Termin 31.12.2017.

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