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Ehrliche Arbeitsmarktberichterstattung am Beispiel Österreich

Fotolia_96296211_XS(o-ton) Über 2,63 Millionen Arbeitslose gab es im November, so die offizielle Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Doch rund 800.000 ebenfalls arbeitslose Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gehen nicht in die Arbeitslosenstatistik ein – und in der medialen Berichterstattung unter. Anders in Österreich. Hier veröffentlichen die Medien die tatsächliche Zahl der Menschen „ohne Arbeit“. 

Die Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) bildet nicht das volle Ausmaß der Arbeitslosigkeit in Deutschland ab. Denn die monatlich verbreitete Arbeitslosenzahl enthält nicht alle tatsächlich Arbeitslosen.

Mehr als 2,63 Millionen als arbeitslos erfasste Personen gab es im November. Aber weitere 542.000 arbeitslose Menschen nahmen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teil und galten nur deshalb nicht als Arbeitslose. Die BA führt sie in der Sonderkategorie „Unterbeschäftigung“. Zu ihnen gehören weiterhin rund 163.000 Arbeitslose über 58 Jahren, die vom Jobcenter seit mehr als einem Jahr kein Jobangebot mehr erhalten haben und 89.000 am Tag der statistischen Erfassung Krankgeschriebene, insgesamt rund 3,43 Millionen Menschen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung – Deutschland und Länder, (November 2015).

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung – Deutschland und Länder, (November 2015).

Arbeitslose in Maßnahmen sind keine offiziell Arbeitslosen

Auch die Statistik des Arbeitsmarktservices Österreich (AMS), das Pendant der Bundesagentur für Arbeit, funktioniert nach dem Prinzip „Arbeitslose in Maßnahmen sind keine offiziell Arbeitslosen“. Der AMS veröffentlicht, wie auch die BA, eine offizielle Arbeitslosenzahl und eine gesonderte Zahl der Arbeitslosen „in Schulungen“, die den Teilnehmern an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in der deutschen Statistik entsprechen.

Dass nur beide Gruppen zusammen das tatsächliche Ausmaß der Arbeitslosigkeit abbilden, scheinen die österreichischen Medien jedoch verinnerlicht zu haben. Die größten überregionalen Tageszeitungen berichten monatlich allesamt von der Gesamtzahl der Menschen „ohne Arbeit“:

Der Standard.at: „Ende November sind mit 430.107 Menschen um 22.901 oder 5,6 Prozent mehr Personen in Österreich arbeitslos gewesen als im Vorjahresmonat. 70.814 der Menschen ohne Job befanden sich in Schulung (plus 6,1 Prozent).“

ORF.at: „Ende November sind mit 430.107 Menschen um 22.901 oder 5,6 Prozent mehr Personen in Österreich arbeitslos gewesen als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenrate erreichte damit 9,2 Prozent, Schulungen exklusive. Explodiert ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen.

70.814 der Menschen ohne Job befanden sich in Schulung (plus 6,1 Prozent) – würde die Republik sie zu den Arbeitslosen zählen, sähe die Lage noch schlechter aus.“

Quelle: ORF.at, http://oesterreich.orf.at/stories/2745174/

Quelle: ORF.at, http://oesterreich.orf.at/stories/2745174/

Kronen Zeitung: „Ende November sind mit 430.107 Menschen um 22.901 oder 5,6 Prozent mehr Personen in Österreich arbeitslos gewesen als im Vorjahresmonat. 70.814 der Menschen ohne Job befanden sich in Schulung (plus 6,1 Prozent).“

Heute.at: „Im November waren mit 430.107 Menschen um 5,6 Prozent mehr Menschen in Österreich arbeitslos, als im November 2014. Auch die Zahl der Schulungsteilnehmer stieg, und zwar auf 70.814 (plus 6,1 Prozent).“

In der deutschen Presse ist eine entsprechende Arbeitsmarktberichterstattung bisher leider die Ausnahme.

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung – Deutschland und Länder, (November 2015)

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Foto © Gina Sanders