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Ehrliche Arbeitsmarktberichterstattung am Beispiel Österreich

© Christa Eder - Fotolia.com

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(o-ton) Rund 2,9 Millionen Arbeitslose gab es 2012, so die offizielle Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Weitere etwa eine Million ebenfalls arbeitslose Teilnehmer an arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gehen jedoch nicht in die Statistik ein – und in der medialen Berichterstattung unter. Anders in Österreich. Hier veröffentlichen die wichtigsten überregionalen Printmedien allesamt die tatsächliche Zahl der Menschen „ohne Arbeit“.

Die offizielle Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) bildet nur die halbe Wahrheit der Arbeitslosigkeit in Deutschland ab. Denn die registrierten Arbeitslosen sind längst nicht alle.

Etwa 2,9 Millionen als arbeitslos erfasste Personen gab es im Jahresdurchschnitt 2012. Aber weitere rund eine Million Menschen waren ebenfalls ohne Arbeit. Die BA führt sie allerdings in der Sonderkategorie der „Unterbeschäftigten“, weil sie zum Zeitpunkt der Erfassung an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme, beispielsweise einem Ein-Euro-Job oder einer geförderten Schulung teilnahmen. So werden aus rund 3,9 Millionen De-facto-Arbeitslosen 2,9 Millionen registrierte Arbeitslose.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Dezember 2012), Monatsbericht Dezember und Jahr 2012, S.47 ff., Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Dezember 2012), Monatsbericht Dezember und Jahr 2012, S.47 ff., Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt

Arbeitslose in Maßnahmen sind keine offiziell Arbeitslosen

Auch die Statistik des Arbeitsmarktservices Österreich (AMS), das Pendant der Bundesagentur für Arbeit, funktioniert nach dem Prinzip „Arbeitslose in Maßnahmen sind keine offiziell Arbeitslosen“. Der AMS veröffentlicht, wie auch die BA, eine offizielle Arbeitslosenzahl und eine gesonderte Zahl der „Personen in Schulungen“.

Dass nur beide Gruppen zusammen das tatsächliche Ausmaß der Arbeitslosigkeit abbilden, scheinen die österreichischen Medien jedoch verinnerlicht zu haben. Die größten überregionalen Tageszeitungen berichten monatlich allesamt von der Gesamtzahl der Menschen „ohne Arbeit“:

Der Standard: „Die Arbeitslosigkeit ist im Dezember weiter gestiegen […] Mit 322.981 Arbeitslosen betrug der Anstieg im Jahresvergleich 6,0 Prozent oder 18.228 Personen. […] Zudem erhöhte sich die Zahl der Schulungsteilnehmer um 6.627 (+11,9 Prozent) auf 62.457. Insgesamt waren damit 385.438 Personen in Österreich ohne Job und damit um 6,9 Prozent mehr als im Dezember 2011.“

Die Presse: „Die Zahl der Arbeitslosen ist per Ende Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 18.228 Personen auf 322.981 gestiegen. Zudem erhöhte sich die Zahl der Schulungsteilnehmer um 6627 auf 62.457. Insgesamt waren damit 385.438 Personen in Österreich ohne Job.“

Kronen Zeitung: „Die Zahl der Arbeitslosen ist per Ende Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,0 Prozent auf 322.981 Personen gestiegen. Rechnet man die Schulungsteilnehmer (+11,9 Prozent) hinzu, waren insgesamt 385.438 Menschen auf Jobsuche.“

Kurier: „Im Dezember stieg die Zahl der Arbeitslosen um 6 Prozent auf 322.981. Dazu kommen 62.457 Arbeitnehmer – eine Steigerung um fast 12 Prozent –, die an Schulungen des Arbeitsmarktservices teilnehmen. In Summe hatten 385.438 Personen keinen Job.“

Und auch die Austria Presse Agentur verbreitet die Informationen zum österreichischen Arbeitsmarkt mit dem Verweis auf die tatsächliche Zahl der Menschen „ohne Arbeit“ (Arbeitslose und Schulungsteilnehmer) in einer Infografik.

Austria Presse Agentur via Der Standard (Januar 2013), Wieder mehr Arbeitslose im Dezember

In der deutschen Presse ist eine entsprechende Arbeitsmarktberichterstattung bisher leider die Ausnahme.

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland, Monatsbericht Dezember und Jahr 2012

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