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Fast jeder zweite Arbeitslose hat keine abgeschlossene Berufsausbildung

Im Jahr 2017 hatten 46 Prozent der Arbeitslosen keine abgeschlossene Berufsausbildung, wie die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt. Auch der Anteil der Arbeitslosen ohne einen Hauptschulabschluss war mit 17 Prozent hoch. Vor allem unter 25-Jährige weisen große Qualifikations- und Bildungsdefizite auf.

In den letzten Jahren ist der Anteil der Arbeitslosen gestiegen, die keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können oder die Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss verlassen haben. Das geht aus einer Sonderauswertung der Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) für O-Ton Arbeitsmarkt hervor. Im Jahr 2017 hatten mit einer Anzahl von 1,16 Millionen ganze 46 Prozent der Arbeitslosen in Deutschland keinen Berufsabschluss. Absolut gesehen hat die Zahl der Arbeitslosen ohne abgeschlossene Berufsausbildung seit 2014 zwar abgenommen, der Anteil ist hingegen erst im letzten Jahr wieder um 1,2 Prozentpunkte gestiegen.

Etwas anders verhält es sich bei den Arbeitslosen, die keinen (Haupt-)Schulabschluss erlangt haben. Ihre Zahl ist seit 2013 auch absolut angestiegen und lag im Jahr 2017 bei über 426.000 Personen. Damit hatten im vergangenen Jahr knapp 17 Prozent der Arbeitslosen keinen Hauptschulabschluss. Ihr Anteil ist seit 2013 um 3,4 Prozentpunkte gestiegen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Der hohe Anteil von Arbeitslosen ohne Schul- oder Berufsabschluss wurde in den letzten Jahren vor allem von zwei Faktoren beeinflusst. Einerseits führte die verstärkte Fluchtmigration seit 2015 dazu, dass mehr Personen ohne (anerkannte) Abschlüsse dem Arbeitskräfteangebot zufließen (O-Ton berichtete). Gleichzeitig hat die gute Arbeitsmarktlage in den letzten Jahren zu einer gestiegenen Nachfrage nach Arbeitskräften geführt. Vergangene Auswertungen belegen, dass besser qualifizierte Arbeitslose zuerst Arbeit finden, schlechter qualifizierte Arbeitslose hingegen das Nachsehen haben (O-Ton berichtete).

Ein Fünftel der unter 25-jährigen Arbeitslosen hat keinen Schulabschluss

Die Qualifikations- und Bildungsdefizite sind bei jüngeren Arbeitslosen besonders gravierend: Fast zwei Drittel der unter 25-jährigen Arbeitslosen hat keine abgeschlossene Berufsausbildung und mehr als ein Fünftel von ihnen hat keinen Hauptschulabschluss. Diese Zahlen verdeutlichen, dass gerade bei jungen Arbeitslosen ein hohes Bildungs- und Ausbildungsbedarf vorhanden ist. Dennoch ist die Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen, die zum Erlangen eines Berufsabschluss führen, in den letzten Jahren tendenziell gesunken (O-Ton berichtete).

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Daten zum Schulabschluss mit eingeschränkter Aussagekraft

Die Statistik der BA weist zwar für eine Mehrheit der Arbeitsuchenden und Arbeitslosen den Schulabschluss aus, jedoch liegen für 10 Prozent der Arbeitslosen keine Angabe zum Schulabschluss vor. Die Erfassung des Bildungsniveaus der Arbeitslosen wird von den zuständigen Arbeitsagenturen und Jobcentern durchgeführt, wobei es je nach Standort Unterschiede in der Datenqualität gibt. Vor allem bei Migranten und Geflüchteten ist die Erfassung des Bildungsniveaus erschwert, wenn unvollständige oder keine anerkannten Dokumente zu ihren Abschlüssen im Heimatland vorliegen.

 

 

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Bestand an Arbeitslosen nach ausgewählten Merkmalen, Sonderauswertung für O-Ton Arbeitsmarkt, August 2018.

Bild: Colourbox.de