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Flüchtlinge am Arbeitsmarkt: Was die Arbeitslosenzahl verschweigt

Im Dezember 2017 lebten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 171.000 arbeitslose Flüchtlinge in Deutschland. Doch knapp 243.000 de-facto arbeitslose Flüchtlinge waren nicht in der Arbeitslosen-, dafür aber in der Unterbeschäftigungsstatistik enthalten.

Der Aufwand, der bei der Integration von Flüchtlingen in Arbeit betrieben werden muss, lässt sich nicht anhand der Arbeitslosenzahl ermitteln. Denn im Dezember 2017 zählten knapp 243.000 de-facto arbeitslose Flüchtlinge nur deshalb nicht als arbeitslos, weil sie an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnahmen, krankgeschrieben waren oder aufgrund ihres Alters nicht mehr als arbeitslos galten. Sie waren nicht in der Zahl der Arbeitslosen, dafür aber in der Unterbeschäftigungsstatistik enthalten. Die Zahl der Unterbeschäftigten summierte sich im Dezember 2017 auf knapp 414.000 Personen und lag damit fast zweieinhalbmal so hoch wie die offizielle Zahl der Arbeitslosen.

Besonders die Teilnahme an Integrationskursen drückt die Zahl der Arbeitslosen unter den Flüchtlingen nach unten. Es ist zu erwarten, dass die Fluchtmigration daher erst nach und nach in der Arbeitslosenzahl sichtbar werden wird. Beide Zahlen, zur Arbeitslosigkeit und zu Unterbeschäftigung, stammen aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu „Personen im Kontext von Fluchtmigration“. Sie bildet Ausländer mit einer Aufenthaltsgestattung, einer Aufenthaltserlaubnis Flucht und einer Duldung ab. Flüchtlinge mit Niederlassungserlaubnis (meist nach drei bis sieben Jahren Aufenthalt), sind nicht enthalten. Gleichzeitig werden nachgezogene Familienangehörige nicht berücksichtigt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Dass einige Flüchtlinge sich bereits auf dem Arbeitsmarkt integrieren konnten, zeigt der Migrations-Monitor der BA. Im August 2017 waren rund 180.000 Migranten aus den Asylherkunftsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Unter ihnen sind jedoch auch Migranten, die vor der verstärkten Fluchtmigration im Jahr 2015 in Deutschland gelebt hatten. Der stetige Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in ihrer Gruppe spricht trotzdem für real existierende Chancen am deutschen Arbeitsmarkt.

Flüchtlinge kommen im Hartz-IV-System an

Neben der Beschäftigung hat vor allem der Hartz-IV-Bezug von Migranten aus den außereuropäischen Asylherkunftsstaaten stark zugenommen. Im November 2017 lebten nach Angaben der BA rund 951.000 Migranten aus den genannten Staaten von Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende. Ihre Zahl ist seit Januar 2014 auf das Siebenfache gewachsen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Zu den Regelleistungsberechtigten im Hartz-IV-System zählen grundsätzlich nicht nur Erwerbsfähige, sondern zum Beispiel auch Kinder, die als Teil einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft leistungsberechtigt sind. Die Entwicklung des Hartz-IV-Bezugs von Migranten aus den außereuropäischen Asylherkunftsstaaten veranschaulicht, dass es sozialpolitisch nicht allein um die Integration von Arbeitslosen in irgendeine Beschäftigung gehen kann. Vielmehr sollte bei der Vermittlung in Arbeit Wert auf langfristige und existenzsichernde Beschäftigungsverhältnisse gelegt werden, damit Flüchtlinge sich und die Mitglieder ihrer Bedarfsgemeinschaft dauerhaft versorgen können.

 

 

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Migrations-Monitor Arbeitsmarkt – Eckwerte (Deutschland, Länder), März 2018.

Bundesagentur für Arbeit, Migrations-Monitor: Personen im Kontext von Fluchtmigration – Deutschland, Länder, Kreise, Agenturen für Arbeit und Jobcenter (Monatszahlen), März 2018, Tabelle 7.

O-Ton Arbeitsmarkt, Migranten am Arbeitsmarkt: Immer mehr Beschäftigte – und immer mehr Hartz-IV-Bezieher, 09.10.2017.

O-Ton Arbeitsmarkt, Was die offizielle Arbeitslosenzahl verschweigt: 3,42 Millionen Menschen ohne Arbeit, 29.03.2018.

Sell, Stefan, Arbeitsmarktentwicklung – scheinbar alles gut. Und wo bleiben die Flüchtlinge? , 30.09.2017.

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