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Geringe Arbeitsmarktchancen für Ungelernte

(o-ton) 2013 war jeder fünfte Ungelernte arbeitslos. Menschen ohne Berufsabschluss sind besonders häufig abhängig von „Hartz IV“-Leistungen. Sie stellen über die Hälfte der arbeitslosen „Hartz IV“-Bezieher. Das zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Jeder fünfte Ungelernte hatte 2013 keine Arbeit. Die Arbeitslosenquote von Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung lag im Jahresdurchschnitt bei 20 Prozent – fast dreimal so hoch wie die der gesamten Erwerbsbevölkerung (7 Prozent).

Die Hälfte der arbeitslosen „Hartz-IV“-Empfänger hat keine abgeschlossene Ausbildung

Bei Ungelernten ist das Risiko der Langzeitarbeitslosigkeit und dauerhaften Abhängigkeit von „Hartz IV“-Leistungen überdurchschnittlich hoch. Im Mai 2015 stellten Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung mehr als die Hälfte (rund 57 Prozent) der Arbeitslosen in der Grundsicherung („Hartz IV“-System). Zum Vergleich ist der Anteil der Ungelernten unter den Kurzzeitarbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung deutlich geringer. Hier stellen sie einen Anteil von 23 Prozent.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit nach Rechtkreisen im Vergleich, Mai 2015, S. 8

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit nach Rechtkreisen im Vergleich, Mai 2015, S. 8

Sinkende Arbeitsmarktchancen für Ungelernte

Ein fehlender Berufsabschluss sorgt heute für deutlich größere Arbeitsmarktprobleme als noch in den Siebzigerjahren oder Ende der Achtzigerjahre. Lag die Arbeitslosenquote Ungelernter Ende der Siebzigerjahre noch bei um die sechs Prozent, stieg sie im Verlauf der Achtziger- und Neunzigerjahre deutlich und erreichte 1997 und 2005 Höchstwerte zwischen 26 und 27 Prozent.

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten

Der Abstand zur allgemeinen Arbeitslosenquote hat in dieser Zeit massiv zugenommen. Ende der Siebzigerjahre lag die Arbeitslosenquote Ungelernter lediglich etwa zwei Prozentpunkte über der Quote der gesamten Erwerbsbevölkerung. 1997 war der Abstand bereits auf etwa 15 Prozentpunkte angewachsen.

In den Folgejahren sank die Differenz zwischen der allgemeinen und der Arbeitslosenquote Ungelernter wieder, pendelte sich aber relativ konstant bei etwa zwölf Prozentpunkten ein. 2013 lag sie bei 13 Prozentpunkten. Damit war jeder fünfte Ungelernte arbeitslos, aber „nur“ etwa jeder Vierzehnte der gesamten Erwerbsbevölkerung.

Auch zukünftig werden sich die Beschäftigungschancen für Menschen ohne berufliche Ausbildung nicht verbessern. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) geht in seiner Projektion des Arbeitskräftebedarfs bis 2030 davon aus, dass die Nachfrage nach ungelernten Arbeitskräften weiter sinkt.

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen im Vergleich, Mai 2015

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, IAB-Kurzbericht 11/2015, Bessere Chancen mit mehr Bildung

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten

Bundesinstitut für Berufsbildung, Engpässe auf dem Arbeitsmarkt: Geändertes Bildungs- und Erwerbsverhalten mildert Fachkräftemangel. Neue Ergebnisse der BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen bis zum Jahr 2030 (BIBB Report 18/12)

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