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Hartz-IV-Bezug und Armutsgefährdung für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche in Ostdeutschland sind besonders häufig armutsgefährdet. Auffallend ist: In den neuen Bundesländern leben viele unter 18-jährige in Hartz-IV Haushalten. Das ergeben Analysen des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ).

Ein Fünftel der unter 18-jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist von Armut gefährdet. Berechnungen des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) offenbaren dabei ein deutliches Ost-West-Gefälle. Während in Bremen mehr als jedes dritte Kind als armutsgefährdet gilt, ist es in Bayern nur jedes achte. Gemäß EU-Konvention gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn ihr Einkommen (dazu zählen auch staatliche Sozialleistungen) weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens eines Landes beträgt.

Zusammenhang mit Hartz-IV-Bezug

In den Ländern mit hoher Armutsgefährdungsquote leben viele Kinder in Hartz-IV-Haushalten. Laut Berechnungen des BIAJ lebte im Jahr 2017 fast jedes dritte Kind in Bremen in einer sogenannten Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft. In Bayern lebt mit einem Anteil von 7,3 Prozent dagegen ein sehr viel kleinerer Teil der Kinder in einem Hartz-IV-Haushalt. Im Gegensatz zur offiziellen Hartz-IV-Hilfequote der Bundesagentur für Arbeit (BA) bezieht das BIAJ bei dieser eigenen Berechnung auch die rund 115.000 Kinder ein, die zwar in Hartz-IV-Haushalten leben, aber keinen eigenen Leistungsanspruch haben (Stand: Dezember 2017, Werte nur mit Wartezeit verfügbar).

Quelle: Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe, Darstellung: O-Ton Arbeitsmarkt.

Die Armutsgefährdungsquote auf Länderebene bildet relative Einkommensarmut ab. So kann eine Person in Bayern als armutsgefährdet gelten, während eine zweite Person in Berlin mit identischem Einkommen rechnerisch als nicht armutsgefährdet gilt, wenn das mittlere Einkommen in Berlin unter dem in Bayern liegt. Eine besonders hohe Hartz-IV-Hilfequote wie in Berlin kann deshalb den Effekt haben, dass rein rechnerisch weniger Kinder unter der Armutsschwelle leben. In besonders einkommensschwachen Regionen wie in den ostdeutschen Ländern kann die Armutsgefährdungsquote das tatsächliche Ausmaß von Armut also unterzeichnen.

 

Zum Weiterlesen:

Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe, Kinder und Jugendliche: Armutsgefährdungs- und SGB-II-Quoten – Ländervergleich 2007 bis 2017, 25.09.2018.

Bundesagentur für Arbeit, Kinder in Bedarfsgemeinschaften – Deutschland, West/Ost, Länder und Kreise (Monatszahlen), Dezember 2017, Tabelle 2.1.

O-Ton Arbeitsmarkt, Hartz-IV-Sanktionen machen auch vor Kindern nicht Halt, 04.06.2018.

Bild: Colourbox.de