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Hartz IV trotz Arbeit: Mehr als jeder vierte Hartz-IV-Empfänger erwerbstätig

Trotz steigender Reallöhne und der Einführung des Mindestlohns waren im September 2016 rund 1,2 Millionen Erwerbstätige von Hartz-IV-Leistungen abhängig. Der Grund: Diese sogenannten Aufstocker arbeiten als Minijobber und Teilzeitkräfte in Niedriglohnbranchen. Frauen sind hiervon noch stärker als Männer betroffen, wie die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigt.

Im September 2016 stockten in Deutschland knapp 1,2 Millionen Beschäftigte ihr Gehalt mit Hartz-IV-Leistungen auf. Damit gingen 27,6 Prozent der Hartz-IV-Empfänger einer Erwerbstätigkeit nach. Zu den Aufstockern zählen alle abhängig und selbstständig Beschäftigte in Minijobs sowie in Teil- und Vollzeitstellen. Seit der Einführung des Mindestlohns und steigender Reallöhne ist die Zahl der Aufstocker rückläufig (O-Ton berichtete). Dennoch war im letzten Jahr jeder Siebte der 4,3 Millionen erwerbsfähigen Empfänger von Hartz-IV-Leistungen sozialversicherungspflichtig tätig. 4,6 Prozent der Hartz-IV-Empfänger arbeiteten sogar in Vollzeit. Dazu war fast jeder Zehnte geringfügig beschäftigt.

Laut Statistik der BA gibt es Überschneidungen zwischen den verschiedenen Gruppen der Erwerbsfähigen. So werden z.B. Auszubildende, die in Vollzeit arbeiten, in der Aufstocker-Statistik der BA doppelt erfasst. Die Statistik offenbart trotzdem, dass nahezu die Hälfte aller Aufstocker in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung tätig ist. Für fast jeden zweiten Erwerbstätigen im Hartz-IV-System reicht also die Erwerbsarbeit nicht zur Deckung des Lebensbedarfs aus.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Aufstocker arbeiten oft in Niedriglohnbranchen

Die Beschäftigungsverhältnisse von Aufstockern unterscheiden sich nicht nur in Hinblick auf den Arbeitsumfang, sondern auch auf den gewählten Beruf. Unter anderem aufgrund der branchenbedingten Gehaltsunterschiede gibt es zwischen den verschiedenen Wirtschaftszweigen immense Unterschiede in der Verteilung der Aufstocker. Die meisten Aufstocker (16 Prozent) sind in der KFZ-Branche beschäftigt. Dahingegen finden sich nur 0,3 Prozent der Aufstocker im Finanz- und Versicherungsgewerbe. Insbesondere die Niedriglohnbranchen Gastgewerbe und Reinigungsdienste sind mit jeweils 12,7 Prozent und 10 Prozent häufig bei Aufstockern vertreten.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Über die Hälfte der Aufstocker sind Frauen

Etwas mehr als die Hälfte der Aufstocker sind Frauen, wobei es wiederum erhebliche Unterschiede im Hinblick auf die Art der Beschäftigung gibt. Männliche Aufstocker arbeiten häufiger in Vollzeit oder sind selbstständig. Im Gegensatz dazu arbeiten weibliche Empfänger von Hartz-IV-Leistungen eher in Teilzeit oder haben einen Minijob. Dieses Muster stimmt mit der generellen Verteilung von Männern und Frauen auf Voll- und Teilzeitbeschäftigungen überein.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Es ist durchaus denkbar, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede in Zusammenhang mit der Verteilung der Aufstocker auf die unterschiedlichen Branchen stehen. Mehr als jeder dritte Aufstocker ist in den Branchen Gesundheits- und Sozialwesen, Gastgewerbe und Reinigungsdienste beschäftigt. Diese Branchen zeichnen sich neben der geringen Vergütung insgesamt durch eine mehrheitlich weibliche Mitarbeiterschaft, sowie eine hohe Anzahl an Teilzeitkräften und geringfügig Beschäftigten aus, wie aus der Beschäftigungsstatistik der BA hervorgeht.

 

Zum Weiterlesen

Bundesagentur für Arbeit, Analyse der Grundsicherung für Arbeitsuchende, April 2017, Tabelle 2.4.

Bundesagentur für Arbeit, Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen, September 2016, Tabelle I.

Bundesagentur für Arbeit, Erwerbstätige, erwerbsfähige Leistungsberechtigte, Dezember 2016.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, Statistik – Viele Teilzeitkräfte arbeiten unter Niedriglohnniveau, 18.05.17.

Krüsemann, Markus, Aufstocker: Immer weniger abhängig Erwerbstätige müssen aufstocken, in: Miese Jobs, 04.05.2017.

O-Ton Arbeitsmarkt, Mindestlohn: Aufstocker bleiben Problem in den neuen Bundesländern, 26.09.2016.

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