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IAB bestätigt: Ein-Euro-Jobs verdrängen keine regulären Jobs

amnews-2-300x190Ein-Euro-Jobs stehen unter dem Verdacht, reguläre Arbeitsverhältnisse zu verdrängen. Arbeitgeber könnten statt ungeförderter Arbeitnehmer staatlich subventionierte Ein-Euro-Jobber einsetzen. Bislang konnten solche Substitutionseffekte nicht nachgewiesen werden. Das IAB hat das nun erneut getestet.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat die Ein-Euro-Jobs erneut auf ihren Substitutionseffekt getestet. Datengrundlage der Analysen ist das IAB-Betriebspanel 2005 bis 2013. Anlass war der Rückgang der Förderung in den letzten Jahren, während nicht in gleichem Umfang alternative Maßnahmen geschaffen wurden, die die Ein-Euro-Jobs hätten ersetzen können. Das IAB beschreibt in seiner Untersuchung folgende Entwicklung: „Der Anteil der Betriebe, die Ein-Euro-Jobs einsetzen, ist seit ihrer Einführung 2005 deutlich zurückgegangen. Während im Jahr 2005 noch 1,8 Prozent der Betriebe in Deutschland Ein-Euro-Jobber einsetzten, lag der Anteil im Jahr 2015 noch lediglich bei rund 0,6 Prozent. Ein-Euro-Jobs sind insbesondere zwischen den Jahren 2010 und 2011 eingebrochen.“

Sollten Ein-Euro-Jobber also tatsächlich statt regulär Beschäftigter eingesetzt worden sein, hätten die weggefallen Mitarbeiter in der Folge mit regulären Arbeitskräfte besetzt werden müssen – vorausgesetzt, dass die Einrichtungen ihre öffentlichen und sozialen Dienstleistungen in gleichem Maße erbringen. Diesen Effekt konnte das IAB aber nicht nachweisen. „Die Studie bestätigt Ergebnisse einer früheren Studie von Hohendanner (2011), wonach insgesamt über alle Beschäftigungsgruppen kein Substitutionseffekt der Ein-Euro-Jobs nachgewiesen werden kann“, heißt es im Discussion Paper.

Darüber hinaus betrachtete das IAB unterschiedliche Beschäftigtengruppen und regionale Indikatoren wie die Ausstattung an Personal im Öffentlichen Dienst sowie den Schuldenstand auf kommunaler Ebene und ging damit über bisherige Analysen hinaus. Aber auch hier fanden sich keine Substitutionseffekte. „Hinweise auf eine substitutive Beziehung zwischen dem Anteil öffentlich Beschäftigter auf Kommunalebene und dem Einsatz der Ein-Euro-Jobs zeigen sich … nicht. Auch die finanzielle Situation scheint nicht in Verbindung mit dem Einsatz der Ein-Euro-Jobs zu stehen. Die regionalen Zusammenhänge bieten somit keine Anhaltspunkte dafür, dass Ein-Euro-Jobs bei hohen Schulden oder geringer öffentlicher Personalausstattung als Ersatz für reguläre Beschäftigung fungieren“, so die Wissenschaftler des IAB.

Weiterhin betrachtete das IAB den Beschäftigungseffekt von Ein-Euro-Jobs auf Qualifikationsgruppen getrennt voneinander. „Hier zeigen sich einerseits positive Effekte bei (Hoch-)Qualifizierten und negative Effekte bei Geringqualifizierten.“ Die Ergebnisse interpretieren die Wissenschaftler wie folgt: „Die positiven Beschäftigungseffekte bei Hochqualifizierten können damit erklärt werden, dass durch die Implementierung der Maßnahme Arbeitsplätze für Sozialpädagogen, Anleiter, Lehr- und Verwaltungskräfte entstehen … Der negative Effekt bei Geringqualifizierten kann hingegen darauf zurückzuführen sein, dass Betriebe zum Teil auf die Einstellung regulärer, geringqualifizierter Beschäftigter zugunsten des Einsatzes von kostengünstigen Ein-Euro-Jobbern verzichtet haben.“ Die Wissenschaftler betonen, Arbeitsmarktpolitik sei immer auch ein Wirtschaftsfaktor und konstituiere ein Beschäftigungssegment im regulären Arbeitsmarkt.

Vor dem Hintergrund des deutlichen Rückgangs der Ein-Euro-Jobs in den letzten Jahren ist daher davon auszugehen, dass „überwiegend Arbeitsplätze für hochqualifizierte Beschäftigte weggefallen und Arbeitsplätze für geringqualifizierte Mitarbeiter – darunter womöglich vereinzelt ehemalige Maßnahmeteilnehmer – entstanden“ seien. Insgesamt seien sowohl die Arbeitsplatzverluste für Hochqualifizierte wie auch die Arbeitsplatzgewinne für Geringqualifizierte insgesamt aber gering.

Zum Weiterlesen:

Dummert, Sandra; Hohendanner, Christian (2016): Beschäftigungseffekte von Ein-Euro-Jobs in den Einsatzbetrieben. (IAB-Discussion Paper, 38/2016), Nürnberg