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K.O.-Kriterium Vermittlungshemmnisse: Etwa 415.000 Langzeitarbeitslose nahezu chancenlos am Arbeitsmarkt

(o-ton) Jedes „Vermittlungshemmnis“ halbiert die Chancen Langzeitarbeitsloser am Arbeitsmarkt, wie Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) errechnet haben. Hierzu gehören zum Beispiel eine fehlende Ausbildung, ein Alter über 50 oder gesundheitliche Einschränkungen. Bei fünf oder mehr Hemmnissen ist die Wahrscheinlichkeit, einen Arbeitsplatz zu finden, gleich null. Hochgerechnete etwa 415.000 Langzeitarbeitslose haben in Deutschland mehr als fünf Vermittlungshemmnisse.

Bei langzeitarbeitslosen Menschen in der Grundsicherung („Hartz IV“) liegen meist mehrere so genannter „Vermittlungshemmnisse“ vor, die ihnen die Arbeitssuche deutlich erschweren. Dazu gehören beispielsweise eine geringe oder fehlende Ausbildung, gesundheitliche Probleme, eine bereits sehr lange andauernde Arbeitslosigkeit, ein Alter über 50, Migrationshintergrund in Verbindung mit schwachen Deutschkenntnissen, aber auch die Pflegeverantwortung für Angehörigen oder die Tatsache, Mutter zu sein.

Auf der Basis der Haushaltsbefragung „Panel Arbeitsmarkt und soziale Sicherung“ (PASS) aus dem Jahr 2006, für die über 7.000 Personen im Grundsicherungsbezug („Hartz IV“) befragt wurden, haben Wissenschaftler des IAB berechnet, welche Bedeutung das Vorliegen eines oder mehrerer Vermittlungshemmnisse für die Arbeitsmarktchancen hat.

Das alarmierende Ergebnis: Bereits ein Vermittlungshemmnis lässt die Wahrscheinlichkeit, eine Arbeitsstelle zu finden, auf rund 11,5 Prozent sinken. Mit jedem weiteren Hemmnis halbieren sich die Chancen, in Arbeit zu kommen in etwa, bis sie bei fünf (1,1 Prozent) oder mehr (jeweils 0 Prozent) Hemmnissen nahezu nicht mehr existent sind. Die Angaben beziehen sich dabei auf einen beobachteten Zeitraum von achteinhalb Monaten.

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2011), Arbeitsmarktvermittelte Abgänge aus der Grundsicherung, IAB-Discussion Paper 2/2011, S. 30, Darstellung O-Ton-Arbeitsmarkt

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2011), Arbeitsmarktvermittelte Abgänge aus der Grundsicherung, IAB-Discussion Paper 2/2011, S. 30, Darstellung O-Ton-Arbeitsmarkt

In der IAB-Befragung traf die Kategorisierung „fünf oder mehr Vermittlungshemmnisse“ auf neun Prozent der Personen zu.

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2011), Arbeitsmarktvermittelte Abgänge aus der Grundsicherung, IAB-Discussion Paper 2/2011, S. 29, Darstellung O-Ton-Arbeitsmarkt

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2011), Arbeitsmarktvermittelte Abgänge aus der Grundsicherung, IAB-Discussion Paper 2/2011, S. 29, Darstellung O-Ton-Arbeitsmarkt

Nutzt man die Ergebnisse für eine Hochrechnung auf alle erwerbsfähigen Personen im Hartz IV-System (etwa 4,6 Millionen im Jahresdurchschnitt 2011), bedeutet das eine Zahl von etwa 415.000 langzeitarbeitslosen Menschen, deren Chancen auf einen Arbeitsplatz am ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt gleich null sind.

Diese Hochrechnung ist dabei als ungefährer Wert zu verstehen. Das PASS ist eine Zufallsstichprobe. Für die Analyse des Einflusses von Vermittlungshemmnissen auf die Chancen am Arbeitsmarkt konnten über 7.000 Fälle ausgewertet werden. Die Stichprobe kann daher nur als annähernd repräsentativ angesehen werden.

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2011), Arbeitsmarktvermittelte Abgänge aus der Grundsicherung, IAB-Discussion Paper 2/2011, S. 29, Hochrechnung und Darstellung O-Ton-Arbeitsmarkt

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2011), Arbeitsmarktvermittelte Abgänge aus der Grundsicherung, IAB-Discussion Paper 2/2011, S. 29, Hochrechnung und Darstellung O-Ton-Arbeitsmarkt

Zum Weiterlesen:

Achatz, Juliane; Trappmann, Mark, Arbeitsmarktvermittelte Abgänge aus der Grundsicherung (IAB Discussion Paper, 02/2011)