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Kinder und Jugendliche: Jeder Siebte lebt in einem Hartz-IV-Haushalt

In Deutschland leben rund zwei Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft. In Bremen lebt sogar ein Drittel der Minderjährigen in einem Haushalt, der von der Grundsicherung für Arbeitsuchende abhängig ist. Vor allem für Alleinerziehende und kinderreiche Familien ist das Hartz-IV-Risiko erhöht.

Im Dezember 2017 (Daten nur mit Wartezeit verfügbar) lebten nach Angaben aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) knapp 2,04 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Deutschland in einem Hartz-IV-Haushalt, einer sogenannten Bedarfsgemeinschaft. Das entspricht 15 Prozent aller in Deutschland lebenden Minderjährigen.

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind enorm: Während in Bremen fast jeder dritte unter 18-Jährige in einer Bedarfsgemeinschaft lebt, ist es in Bayern nur jeder vierzehnte. Insgesamt zeigt sich für Minderjährige in einem Haushalt, der von Hartz-IV-Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) abhängt, ein starkes Ost-West-Gefälle. In Westdeutschland lebten 14 Prozent der Minderjährigen in einer Bedarfsgemeinschaft, in Ostdeutschland fast 20 Prozent.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Statistisches Bundesamt und eigene Berechnungen, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Kinderreiche Familien haben größtes Hartz-IV-Risiko

Die BA-Statistik zeigt auch, dass Kinder alleinerziehender Elternteile besonders häufig von Hartz-IV-Leistungen abhängig sind. Mehr als jeder dritte Alleinerziehenden-Haushalt bezieht Grundsicherungsleistungen nach dem SGB II. Außerdem steigt das Hartz-IV-Risiko mit der Zahl der Kinder.

Fast ein Drittel aller alleinerziehenden Elternteile, die mit einem Kind zusammenleben, beziehen Hartz-IV-Leistungen. Mit zwei Kindern steigt das Risiko der Hilfebedürftigkeit auf knapp 40 Prozent. Leben Alleinerziehende mit drei oder mehr Kindern zusammen, liegt der Anteil der Haushalte, die Leistungen aus der Grundsicherung beziehen, bei rund 69 Prozent.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Zum Vergleich: Bei Paaren mit Kindern ist das Risiko der Hilfebedürftigkeit deutlich niedriger. Hier sind knapp acht Prozent aller Haushalte betroffen. Aber auch bei Paaren steigt der Anteil derer, die Hartz-IV-Leistungen beziehen, mit der Anzahl der Kinder im Haushalt. Nahezu sechs Prozent der Paar-Haushalte mit einem Kind sind hilfebedürftig. Bei zwei Kindern steigt der Anteil auf fast sieben Prozent, während er bei drei Kindern und mehr bereits bei rund 21 Prozent liegt. Am niedrigsten ist der Anteil der Hartz-IV-Empfänger bei Paaren ohne Kinder. Knapp drei Prozent von ihnen beziehen Leistungen aus der Grundsicherung.

 

 

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Grundsicherung für Arbeitsuchende – Deutschland (Monatszahlen), Juni 2018, Tabelle 50.

Bundesagentur für Arbeit, Bedarfsgemeinschaften und deren Mitglieder – Deutschland, West/Ost, Länder und Kreise (Monatszahlen), Dezember 2017, Tabelle 4.2.

O-Ton Arbeitsmarkt, Wie viele Kinder leben von Hartz IV – 1,6 oder doch 2 Millionen?, 22.05.2017.

O-Ton Arbeitsmarkt, Hartz-IV-Sanktionen machen auch vor Kindern nicht Halt, 04.06.2018.

Statistisches Bundesamt, Bevölkerung (Zensus): Deutschland, Stichtag: 31.12.2016, Nationalität, Altersgruppen.

Statistisches Bundesamt, Bevölkerung (Zensus): Bundesländer, Stichtag: 31.12.2016, Nationalität, Altersgruppen.

Bild: Colourbox.de