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Langzeitarbeitslose: Ältere und Geringqualifizierte bleiben übrig

Der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit stagniert seit 2011, denn unter den länger als ein Jahr Arbeitslosen sind immer mehr Menschen mit schlechten Voraussetzungen für die Jobsuche. Ist der harte Kern erreicht?

Langzeitarbeitslose sind eines der größten Probleme des deutschen Arbeitsmarkts. Während sich die Zahl der Beschäftigten vorbildlich entwickelt, geht der Abbau der Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren immer langsamer vonstatten und bei den Langzeitarbeitslosen tut sich fast nichts mehr. Ihre Zahl stagniert seit 2011 bei leicht über einer Million Menschen. Ein Rückgang unter die Marke von einer Million scheint kaum möglich und der harte Kern derer, die auch bei bester wirtschaftlicher Lage nicht in Arbeit finden, erreicht.

Besonders deutlich wird das, wenn man die Langzeitarbeitslosen genauer betrachtet. Denn unter ihnen ist der Anteil derer mit für den Arbeitsmarkt ungünstigen Voraussetzungen nicht nur hoch, sondern in den letzten Jahren auch stetig gestiegen. So finden sich unter den Langzeitarbeitslosen zunehmend Menschen mit einer besonders langen Dauer der Arbeitslosigkeit von zwei Jahren oder mehr. 2015 waren 56 Prozent aller Langzeitarbeitslosen bereits zwei Jahre oder länger arbeitslos. 2011 waren es noch 52 Prozent.

Weiterhin steigt der Anteil der älteren Menschen, die häufig aufgrund von Vorurteilen auf der Arbeitgeberseite aber auch wegen gesundheitlicher Probleme Schwierigkeiten haben, noch eine Stelle zu finden. Lag der Anteil der über 55-Jährigen an allen Langzeitarbeitslosen 2011 noch bei rund 24 Prozent, ist er 2015 auf rund 27 Prozent angewachsen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Ausgewählte Strukturmerkmale der Kurz- und Langzeitarbeitslosen, Sonderauswertung, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Ausgewählte Strukturmerkmale der Kurz- und Langzeitarbeitslosen, Sonderauswertung, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Und auch der Anteil der Menschen ohne Ausbildung sowie derer, die nur für eine Helfertätigkeit infrage kommen, ist in den letzten Jahren kontinuierlich angewachsen. 2011 waren mit rund 48 Prozent noch weniger als die Hälfte der Langzeitarbeitslosen ungelernt, 2015 ist ihr Anteil mit 52 Prozent auf über die Hälfte gestiegen. Bei den Langzeitarbeitslosen, die nur für Helferjobs infrage kommen, ist der Zuwachs am deutlichsten. 2011 waren es noch rund 45, 2015 bereits 53 Prozent.

Arbeitgeber rekrutieren aus Zuwanderern und der Stillen Reserve

Statt diesen Menschen eine Chance zu geben, bevorzugen Arbeitgeber Zuwanderer oder Personen aus der Stillen Reserve, die nicht aktiv auf der Suche nach Arbeit sind, aber die Chance ergreifen, wenn sie sich ergibt, zum Beispiel Hausfrauen. So erklärt sich auch, dass die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland deutlich stärker wächst, als die Arbeitslosigkeit abnimmt.

Quelle: Destatis, Erwerbstätigenrechnung und Bundesagentur für Arbeit, Zeitreihe zur Arbeitslosigkeit seit 1950 nach Strukturmerkmalen (Monats-/Jahreszahlen) – Deutschland, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt

Quelle: Destatis, Erwerbstätigenrechnung und Bundesagentur für Arbeit, Zeitreihe zur Arbeitslosigkeit seit 1950 nach Strukturmerkmalen (Monats-/Jahreszahlen) – Deutschland, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Ausgewählte Strukturmerkmale der Kurz- und Langzeitarbeitslosen, Sonderauswertung für O-Ton Arbeitsmarkt

Bundesagentur für Arbeit, Zeitreihe zur Arbeitslosigkeit seit 1950 nach Strukturmerkmalen (Monats-/Jahreszahlen) – Deutschland

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Langer Leistungsbezug ist nicht gleich  Langzeitarbeitslosigkeit (Kurzbericht 20/2015)

Bundesagentur für Arbeit, Zeitreihe für Länder ab 1991 (Monatszahlen)

Destatis, Erwerbstätigenrechnung

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