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Langzeitarbeitslosigkeit verhärtet sich: Zunehmender Mismatch zwischen Bewerbern und Stellen

© Marco2811 - Fotolia.com

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(o-ton) Die Zahl der Langzeitarbeitslosen nimmt zu. 2013 gab es 1,05 Millionen Menschen, die seit mehr als einem Jahr arbeitslos waren, zwei Prozent mehr als noch im Vorjahr. Ein Drittel von Ihnen war bereits seit mehr als drei Jahren arbeitslos – Tendenz steigend. Hintergrund sind strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt: Langzeitarbeitslose und offene Stellen passen kaum zusammen, urteilt die Bundesagentur für Arbeit.  

Die Langzeitarbeitslosigkeit ist trotz guter Arbeitsmarktlage und einer zunehmenden Zahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den letzten Jahren kaum noch gesunken. 2013 stieg sie sogar wieder leicht um rund 19.000 Menschen beziehungsweise zwei Prozent.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Zahlen, Bestand an Arbeitslosen nach der Dauer der Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt und Bestand an Arbeitslosen nach ausgewählten Merkmalen, jeweils Sonderauswertungen für O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Zahlen, Bestand an Arbeitslosen nach der Dauer der Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt und Bestand an Arbeitslosen nach ausgewählten Merkmalen, jeweils Sonderauswertungen für O-Ton Arbeitsmarkt.

Hintergrund dieser Entwicklung ist laut Bundesagentur für Arbeit (BA) ein struktureller Mismatch zwischen Langzeitarbeitslosen und offenen Stellen. In ihrer aktuellen Publikation zum Thema urteilt sie: Die Profile der Arbeitslosen passen oftmals „in berufsfachlicher, qualifikatorischer und regionaler Hinsicht nur unzureichend zur Arbeitskräftenachfrage.“

Langzeitarbeitslosigkeit verhärtet sich

Die Folge des Mismatch: Den Betroffenen fällt der Ausweg aus der Arbeitslosigkeit immer schwerer und sie bleiben für immer längere Zeiträume arbeitslos. 2013 waren rund 550.000 Langzeitarbeitslose bereits mehr als zwei Jahre ohne Arbeit, rund 340.000 sogar bereits länger als drei Jahre.

Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der sehr lange Arbeitslosen zudem gewachsen. Bei den länger als zwei Jahre Arbeitslosen gab es einen Anstieg um knapp sechs Prozent (von rund 518.000). Bei den länger als drei Jahre Arbeitslosen sogar um neun Prozent (von über 311.000).

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Bestand an Arbeitslosen nach ausgewählten Merkmalen, Sonderauswertung für O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Bestand an Arbeitslosen nach ausgewählten Merkmalen, Sonderauswertung für O-Ton Arbeitsmarkt.

Langzeitarbeitslosenstatistik deutlich unterzeichnet

Das tatsächliche Ausmaß der Langzeitarbeitslosigkeit ist in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit noch deutlich unterzeichnet. Denn Langzeitarbeitslose zählen nur dann auch statistisch als langzeitarbeitslos, wenn keine „schädliche Unterbrechung“ stattgefunden hat. Dazu gehören beispielsweise die Teilnahme an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme (mit Ausnahme von Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung) oder eine längere Krankheit. Ist das der Fall, wird die Dauer der Arbeitslosigkeit nach Ende der Unterbrechung von vorne gezählt und ein neues Startdatum eingetragen. Die betreffende Person ist dann wieder kurzzeitarbeitslos, zumindest für die Statistik (O-Ton berichtete).

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Bestand an Arbeitslosen nach der Dauer der Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt

Bundesagentur für Arbeit, Bestand an Arbeitslosen nach ausgewählten Merkmalen (2013)

Bundesagentur für Arbeit, Der Arbeitsmarkt in Deutschland – Die Arbeitsmarktsituation von langzeitarbeitslosen Menschen

O-Ton-Arbeitsmarkt, Statistik schönt Ausmaß der Arbeitslosigkeit

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