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Langzeitbezieher von Hartz IV: Einem von Hundert gelingt Integration in Arbeit

Nur wenigen Langzeitbezieher von Hartz IV gelingt die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit. In 2017 gelang jeden Monat durchschnittlich knapp 35.000 Langzeitleistungsbeziehern die Integration in Arbeit – das entspricht nur rund 1,3 Prozent aller knapp 2,77 Millionen Langzeitbezieher von Hartz IV.

Knapp 2,77 Millionen Menschen, also nahezu zwei Drittel der insgesamt rund 4,4 Millionen Empfänger von Hartz IV in Deutschland, waren durchschnittlich in 2017 seit mindestens zwei Jahren fast durchgängig im Hartz-IV-Leistungsbezug. Für sie sind die Arbeitsmarktchancen mehr als schlecht, denn rechnerisch findet nur jeder Hundertste von ihnen monatlich eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das zeigt die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Die BA weist jene Personen als Langzeitleistungsbezieher aus, die in den vergangenen 24 Monaten mindestens 21 Monate hilfebedürftig waren/Hartz IV-Leistungen bezogen haben. In ihrer Statistik zum Leistungsbezug veröffentlicht die BA auch, wie viele der (Langzeit-)Bezieher von Hartz-IV-Leistungen monatlich eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen haben. Im diesem Jahr gelang im Durchschnitt jeden Monat knapp 35.000 Langzeitleistungsbezieher die Integration in sozialversicherungspflichtige Arbeit.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Die Arbeitsmarktchancen von Langzeitempfängern von Hartz IV haben in den letzten Jahren zwar leicht zugenommen, verharren aber auf konstant schlechtem Niveau. 2017 gab es im Vergleich zum Vorjahr monatlich zwar etwas weniger Arbeitsaufnahmen von Langzeitleistungsbeziehern, gleichzeitig hat aber auch die Zahl der Langzeitleistungsbezieher um rund 27.000 Personen bzw. ein Prozent insgesamt leicht abgenommen.

Dennoch bedeutet eine steigende Integrationsquote nicht zwingend, dass immer mehr Empfänger von Hartz-IV-Leistungen mit der Arbeitsaufnahme auch ihre Hilfebedürftigkeit langfristig beenden (O-Ton berichtete). Erstens zeigt die Integrationsquote nicht, wie lange ein Arbeitsverhältnis dauert. Innerhalb eines Jahres kann nach Angaben der BA eine Person mehrmals in Arbeit integriert werden. Zweitens ist nicht jede Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung unbedingt bedarfsdeckend: Im Jahr 2016 zählten nämlich auch rund 390.000 „Aufstocker“, die ihr Einkommen aus sozialversicherungspflichtiger Arbeit mit Hartz IV ergänzen mussten, zu den Langzeitleistungsbeziehern.

Mehr Langzeitleistungsbezieher als Langzeitarbeitslose

Langzeitleistungsbezug ist nicht deckungsgleich mit Langzeitarbeitslosigkeit. So gab es im Januar fast dreimal so viele Langzeitleistungsbezieher wie Langzeitarbeitslose. Deren Zahl belief sich im Januar 2017 „nur“ auf knapp eine Million, wie aus der Statistik der BA ersichtlich ist. Innerhalb des Vorjahres war die Zahl der Langzeitarbeitslosen außerdem wesentlich stärker gesunken als die der Langzeitleistungsbezieher (O-Ton berichtete)

 

 

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Langzeitleistungsbezieher – Deutschland, West/Ost, Länder und Jobcenter (Zeitreihe Monats- und Jahreszahlen ab 2009), September 2017.

O-Ton Arbeitsmarkt. Hartz-IV-Langzeitbezieher: Drei Viertel seit mindestens einem Jahr ohne Förderung, 26.10.2017.

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