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Menschen ohne Arbeit: Rund 3,8 Millionen im Jahr 2013

(o-ton) Im Jahr 2013 gab es 2,95 Millionen registrierte Arbeitslose. Das gesamte Ausmaß der Menschen ohne Arbeit bildet diese Zahl jedoch nicht ab. Deutlich aussagekräftiger ist die so genannte Unterbeschäftigung, die auch die Menschen einbezieht, die als Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, Krankgeschriebene und über 58-Jährige in Sonderregelungen nicht in die Arbeitslosenstatistik eingehen. 2013 betraf dies durchschnittlich 850.000 Menschen. Gemeinsam mit den registrierten Arbeitslosen belief sich die Zahl der Menschen ohne Arbeit im Jahresdurchschnitt 2013 damit auf rund 3,8 Millionen.

2013 gab es mehr als 2,95 Millionen registrierte Arbeitslose. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs um 53.000 Menschen. Doch das sind längst nicht alle Menschen ohne Arbeit, denn einen Teil der Arbeitslosen führt die Bundesagentur für Arbeit (BA) in der Kategorie der Unterbeschäftigung. Im Jahr 2013 durchschnittlich etwa 846.000 Menschen, darunter:

–    Rund 206.000 Arbeitslose über 58 Jahre, die entweder seit mehr als einem Jahr kein Jobangebot erhalten haben oder durch auslaufende vorruhestandsähnliche Regelungen Arbeitslosengeld beziehungsweise „Hartz IV“-Leistungen unter erleichterten Bedingungen beziehen.

–    Etwa 85.000 Arbeitslose, die am Tag der Erfassung krankgeschrieben waren.

–    Rund 555.000 Teilnehmer an Weiterbildungen, „Ein-Euro-Jobs“, bezuschussten Arbeitsverhältnissen oder sonstigen Maßnahmen. Zu dieser Gruppe zählen auch die Arbeitslosen in privater Vermittlung.

Insgesamt ergibt sich so eine tatsächliche Zahl von Menschen ohne Arbeit von rund 3,8 Millionen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Unterbeschäftigung Deutschland, Jahresdurchschnitt, Sonderauswertung, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Unterbeschäftigung Deutschland, Jahresdurchschnitt, Sonderauswertung, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Diese Aufstellung bezieht sich auf die so genannte Unterbeschäftigung im engeren Sinne (i.e.S.) Noch nicht enthalten sind Personen, die aus Arbeitslosigkeit heraus eine Selbstständigkeit aufbauten und dabei finanzielle Unterstützung erhielten (rund 23.500), Personen in Altersteilzeit (etwa 82.600) und Kurzarbeiter (Daten noch nicht verfügbar). Für die Bundesagentur für Arbeit ist dieser Personenkreis „fern vom Arbeitslosenstatus, in Maßnahmen, die gesamtwirtschaftlich entlasten“.

2013: Mehr Menschen ohne Arbeit als im Vorjahr

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Menschen ohne Arbeit entsprechend der registrierten Arbeitslosen plus der Unterbeschäftigten im engeren Sinne von 3,77 auf 3,80 Millionen gestiegen. Das ist der erste Zuwachs seit 2009. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen hat dabei von 2,90 auf 2,95 Millionen Menschen zu- und die der Unterbeschäftigten im engeren Sinne von 870.000 auf 845.500 Personen abgenommen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Unterbeschäftigung Deutschland, Jahresdurchschnitt, Sonderauswertung, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Unterbeschäftigung Deutschland, Jahresdurchschnitt, Sonderauswertung, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Hintergrund dieser Entwicklung ist vor allem der Rückgang der über 58-Jährigen in Sonderregelungen. Ihre Zahl sank im Jahresdurchschnitt 2013 um etwa 26.000 auf rund 206.000 Personen.

Die Zahl der Teilnehmer an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung, Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung, einer Arbeitsgelegenheit („Ein-Euro-Jobs“), der Beschäftigungsphase der Bürgerarbeit, Integrationskursen oder Rehamaßnahmen oder der subventionierten Arbeitsverhältnisse für schwer vermittelbare Arbeitslose (Förderung von Arbeitsverhältnissen und Beschäftigungszuschuss) ist insgesamt leicht gestiegen. Im Jahresdurchschnitt 2012 gingen noch etwa 553.500 Personen aufgrund dieser Maßnahmen nicht in die Arbeitslosenstatistik ein, 2013 waren es rund 555.000 Menschen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Unterbeschäftigung Deutschland, Jahresdurchschnitt, Sonderauswertung, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Unterbeschäftigung Deutschland, Jahresdurchschnitt, Sonderauswertung, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Deutliches Minus bei den Arbeitsgelegenheiten („Ein-Euro-Jobs“)

Die Entwicklung der einzelnen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen variiert allerdings deutlich. Besonders stark war der Rückgang bei den Teilnehmern an Arbeitsgelegenheiten („Ein-Euro-Jobs“). Ihre Zahl sank von 137.000 im Jahr 2012 auf 112.000 im Jahr 2013 und damit um 19 Prozent. Zugenommen haben hingegen kurzfristige Aktivierungsmaßnahmen wie die Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Ihre Zahl nahm zeitgleich von 144.000 auf 161.000 und damit um elf Prozent zu.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Unterbeschäftigung Deutschland, Jahresdurchschnitt, Sonderauswertung, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Unterbeschäftigung Deutschland, Jahresdurchschnitt, Sonderauswertung, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Die in unserer Berechnung der Menschen ohne Arbeit nicht enthaltene Zahl der Personen, die aus Arbeitslosigkeit heraus eine Selbstständigkeit aufbauten und dabei finanzielle Unterstützung erhielten (Gründungszuschuss und Einstiegsgeld) und die Altersteilzeitbeschäftigten sank ebenfalls. Einen besonders deutlichen Rückgang verzeichnete die Förderung von Selbstständigkeiten mit einem Minus von 51.000 Personen beziehungsweise 69 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den Altersteilzeitbeschäftigten sank die Teilnehmerzahl um etwa 2.700 Menschen.

Die Jahreswerte 2013 basieren auf hochgerechneten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und sind daher vorläufig. Endgültige Werte liegen mit einer Wartezeit von drei Monaten ab März 2014 vor.

Konzept der Unterbeschäftigung macht Arbeitslosenzahl politisch steuerbar

Das Konzept der Unterbeschäftigung ermöglicht es, de-facto-Arbeitslose von der Arbeitslosen- in die Unterbeschäftigungsstatistik zu verschieben. Es sorgt folglich dafür, dass die offizielle Arbeitslosenzahl nicht nur in Abhängigkeit der Menschen, die tatsächlich ohne Arbeit sind, sondern auch entsprechend der Zahl der Arbeitslosen, die als Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, Krankgeschriebene und von der Vermittlung ausgenommene über 58-Jährige nicht zu den registrierten Arbeitslosen gezählt werden, variiert.

Im Jahresverlauf lässt sich dieser Zusammenhang zwischen der insbesondere durch den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen steuerbaren Unterbeschäftigung (hier im engeren Sinne) und der Entwicklung der Arbeitslosenzahl anschaulich beobachten.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, Dezember 2012 bis Dezember 2013, jeweils S.5 (Okt.-Dez.2013 vorläufige Werte), Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, Dezember 2012 bis Dezember 2013, jeweils S.5 (Okt.-Dez.2013 vorläufige Werte), Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Sinkende Zahlen bei der Unterbeschäftigung im Januar 2013 gingen einher mit einer steigenden Arbeitslosenzahl. In den Folgemonaten bis Juni 2013 stieg die Zahl der Unterbeschäftigten wieder – und die Zahl der Arbeitslosen sank. Eine entsprechend zusammenhängende Entwicklung ist im gesamten Jahresverlauf sichtbar. Die monatlich verkündete Zahl der registrierten Arbeitslosen ist daher mit Vorsicht zu genießen und sollte nicht ohne einen Blick auf die Unterbeschäftigung interpretiert werden.

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Unterbeschäftigung Deutschland, Jahresdurchschnitt, Sonderauswertung

Bundesagentur für Arbeit, Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland (Monatsbericht Dezember und Jahr 2013)

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung – Deutschland und Länder, Dezember 2012 bis Dezember 2013 (jeweils endgültige Werte, Oktober bis Dezember 2013 vorläufig)