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Mindestlohn: Aufstocker bleiben Problem in den neuen Bundesländern

Seit Einführung des Mindestlohns gibt es weniger Aufstocker in Deutschland. Besonders in den neuen Ländern war der Rückgang stark. Doch gemessen an allen Beschäftigten bleibt der Anteil der Beschäftigten mit gleichzeitigem Hartz-IV-Bezug im Osten vergleichsweise hoch.

Rund 1,1 Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig beschäftigt und erhalten gleichzeitig Hartz-IV-Leistungen. Seit Einführung des Mindestlohns ist ihre Zahl um vier Prozent gesunken. Im Januar 2015 bezogen noch 1,14 Millionen Menschen mit Job die staatliche Sozialleistung. Der Rückgang der Aufstocker hat in erster Linie in den neuen Bundesländern stattgefunden. Die Zahl der abhängig beschäftigten Hartz-IV-Empfänger sank dort zwischen Januar 2015 und Mai 2016 um 10 Prozent beziehungsweise rund 38.000 Personen. Im Westen belief sich der Rückgang hingegen auf lediglich rund 6.500 Personen, das entspricht 0,8 Prozent.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Langzeitleistungsbezieher – Zeitreihen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Langzeitleistungsbezieher – Zeitreihen.

Entwicklung: Mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigte Aufstocker im Westen – weniger im Osten

Gemessen an allen Beschäftigten bleiben die Aufstockeranteile im Osten aber hoch. Unter den Voll- oder Teilzeitbeschäftigten stockten im Dezember 2015 in den neuen Ländern 3,2 Prozent auf, 0,2 Prozentpunkte weniger als im Jahr davor. In den alten Ländern hingegen liegt der Aufstockeranteil bei den Voll- und Teilzeitbeschäftigten mit 1,6 Prozent deutlich niedriger. Im Vergleich zum Vorjahr (Daten vor der Revision der Grundsicherungsstatistik. Gravierende Veränderungen in der grundsätzlichen Struktur der Grundsicherungsstatistik ergeben sich daraus nicht) ist er dort sogar um 0,1 Prozentpunkte angewachsen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Erwerbstätige, erwerbsfähige Leistungsberechtigte – Deutschland mit Ländern und Kreisen

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Erwerbstätige, erwerbsfähige Leistungsberechtigte – Deutschland mit Ländern und Kreisen

Ein entsprechendes Bild mit deutlich höheren Anteilen zeigt sich bei den geringfügig Beschäftigten. Im Osten stocken 22 Prozent von ihnen auf, im Westen lediglich 8,8 Prozent. Sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland sind die Anteile im Vergleich zum Vorjahr gesunken, im Osten um drei Prozentpunkte, im Westen um 0,3.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Erwerbstätige, erwerbsfähige Leistungsberechtigte – Deutschland mit Ländern und Kreisen

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Erwerbstätige, erwerbsfähige Leistungsberechtigte – Deutschland mit Ländern und Kreisen

Sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern hat der Rückgang der Aufstocker vor allem bei den Minijobs stattgefunden. Der Anteil der Minijobber, die Hartz-IV-Leistungen beziehen, ist, mit Ausnahme des Saarlandes, durchweg zurückgegangen. Bei den Voll- und Teilzeitbeschäftigten hingegen hat der Anteil der Aufstocker in den westdeutschen Ländern mit Ausnahme von Bremen leicht zugenommen oder ist gleich geblieben. Im Osten hingegen sind die Anteile durchweg zurückgegangen.

In den einzelnen Bundesländern liegen die Anteile häufig deutlich höher. So ist Berlin mit einem Anteil von fünf Prozent trauriger Spitzenreiter bei den Voll- oder Teilzeitbeschäftigten, die aufstocken müssen. Bei den Minijobbern mit Hartz-IV-Bezug liegt Sachsen-Anhalt mit rund 26 Prozent vorne. Mit Ausnahme von Bremen sind die Aufstockeranteile in den neuen Ländern sowohl bei den geringfügig Beschäftigten als auch bei den Voll- und Teilzeitbeschäftigten am höchsten.

Mindestlohn sorgt für Entwicklung von Lohn und Arbeitszeit nach oben, aber nur im Westen?

Ein Rückgang der Aufstocker mit Minijob bei einem gleichzeitigen leichten Zuwachs der Aufstocker mit sozialversicherungspflichtigem Job lässt vermuten, dass der Mindestlohn zu einer Verschiebung der Arbeitszeit und der Einkommen „nach oben“ geführt hat. Aus Minijobbern sind möglicherweise sozialversicherungspflichtig beschäftigte Aufstocker in Teilzeit geworden, aus Aufstockern in Teilzeit nun Aufstocker mit einem Vollzeit-Job und aus Aufstockern in Vollzeit Erwerbstätige, die ganz ohne Hartz-IV-Leistungen auskommen (O-Ton berichtete). Zu beobachten ist diese Entwicklung aber nur in den alten Bundesländern. In den neuen Ländern gab es Rückgänge sowohl bei den Aufstockern mit Minijob als auch bei denen mit einer Voll- oder Teilzeitstelle. Hier kann angenommen werden, dass vor allem geringfügige Jobs komplett gestrichen wurden.

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Erwerbstätige, erwerbsfähige Leistungsberechtigte – Deutschland mit Ländern und Kreisen, Mai 2016

Bundesagentur für Arbeit, Erwerbstätige, erwerbsfähige Leistungsberechtigte – Deutschland mit Ländern und Kreisen, Dezember 2015

Bundesagentur für Arbeit, Erwerbstätige Arbeitslosengeld II-Bezieher – Deutschland mit Ländern und Kreisen (unrevidiert) – Mai 2015

Bundesagentur für Arbeit, Langzeitleistungsbezieher – Zeitreihen

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