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Qualifizierungsmaßnahmen: Immer weniger Weiterbildungen für Hartz-IV-Empfänger

Immer weniger Hartz-IV-Empfänger werden bei Aus- und Weiterbildungen von der Bundesagentur für Arbeit (BA) gefördert. Dies zeigen Statistiken der BA. Doch gerade arbeitslose Hartz-IV-Empfänger sind oft schlecht qualifiziert und deshalb dringend auf Unterstützung angewiesen. Denn mehrere Studien belegen: Die Digitalisierung der Arbeitswelt macht Aus- und Weiterbildungen in Zukunft immer wichtiger.

2016 nahmen insgesamt rund 358.000 Menschen in Deutschland an einer Aus- oder Weiterbildungsmaßnahme der Bundesagentur für Arbeit (BA) teil. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein leichter Anstieg um 3,2 Prozent, wie aus der Förderstatistik der BA hervorgeht. Allerdings werden arbeitslose Hartz-IV-Bezieher seltener gefördert als arbeitslose Empfänger von Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung. Seit 2011 hat die Zahl von Hartz-IV-Empfängern in Qualifizierungsmaßnahmen kontinuierlich abgenommen und belief sich in 2016 auf knapp 83.000 Personen. Im Gegensatz dazu werden immer mehr Empfänger von Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung von der BA auf diese Weise gefördert – mittlerweile über 275.500 Personen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Die rückläufige Qualifizierung von Hartz-IV-Empfängern ist besonders vor dem Hintergrund der Digitalisierungsdebatte problematisch. Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine Digitalisierung der Arbeitswelt nicht nur zu einem Wegfall von Arbeitsstellen, sondern auch zu Veränderungen der Berufsbilder führen wird. Dies geht aus der Synopse der Stiftung Neue Verantwortung hervor, die verschiedene Studien zum Thema Digitalisierung am Arbeitsmarkt zusammenfasst. Wird zum Beispiel in einer Branche Robotik eingesetzt, müssen Arbeitnehmer in den betroffenen Berufen den Umgang mit der neuen Technologie erlernen. Hierfür sind sie auf Schulungsangebote angewiesen, da ihr Wissen und ihre Qualifikationen durch den technischen Fortschritt schneller veralten.

Hartz-IV-Empfänger bleiben auf der Strecke

Digitalisierung und Automatisierung wird folglich Arbeitnehmer und Arbeitslose auf allen Ebenen betreffen. Wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt, nehmen in der Gegenwart jedoch vor allem bereits höher Qualifizierte an Weiterbildungskursen teil. Hartz-IV-Empfänger könnten somit zu doppelten Verlierern der Digitalisierung werden. Gerade sie sind oft schlechter qualifiziert und kommen häufiger nur für einfache Tätigkeiten infrage (O-Ton berichtete).

Ohne Fähigkeiten auf dem aktuellen Stand der Technik werden diese Personen schlechte Chancen am Arbeitsmarkt haben. Philippe Lorenz, Stiftung Neue Verantwortung, resümiert treffend: „Die Arbeitnehmer mit dieser Aufgabe allein zu lassen, wird sie überfordern. (…) Ein Gradmesser für das Gelingen der institutionellen Verankerung von Weiterqualifizierung ist der beabsichtigte Ausbau der Bundesagentur für Arbeit (BA) zur Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung.“

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

 

 

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktpolitische Instrumente – Deutschland, West/Ost, Länder, Regionaldirektionen (Jahreszahlen).

Janssen, Simon; Wölfel, Oliver, Weiterbildung in der Informations- und Kommunikationstechnologie: Jüngere belegen inhaltlich andere Kurse als Ältere, IAB Kurzbericht 17/2017. 

Lorenz, Philippe, Digitalisierung im deutschen Arbeitsmarkt: Eine Debattenübersicht, Stiftung Neue Verantwortung, August 2017.

O-Ton Arbeitsmarkt, Hartz-IV-Empfänger: Stiefkinder der arbeitsmarktpolitischen Förderung, 06.02.2017.

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