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Was bringen Ein-Euro-Jobs?

© Marina Lohrbach – Fotolia.com

(o-ton) Ein-Euro-Jobs stehen in der Kritik, denn sie steigern die Chancen auf einen ungeförderten Arbeitsplatz kaum. Bei schwer vermittelbaren Langzeitarbeitslosen erfüllen sie aber eine soziale Funktion: Sie fördern die gesellschaftliche Integration der Teilnehmer und erhöhen so deren Selbstwertgefühl und Lebenszufriedenheit.

Ein-Euro-Jobs sind das bekannteste und häufigste arbeitsmarktpolitische Instrument für Langzeitarbeitslose im Hartz IV-System. In den letzten Jahren wurden die Plätze mit Verweis auf ihren geringen Effekt bei der Vermittlung in den ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt aber deutlich zurückgefahren.

Mehrere wissenschaftliche Studien hatten ergeben, dass die Ein-Euro-Jobs nur bestimmte Personengruppen tatsächlich in Arbeit bringen und teils sogar eine erfolgreiche Jobsuche am ersten Arbeitsmarkt verhindern. Zudem bestehe die Gefahr, dass Ein-Euro-Jobber Arbeiten übernehmen, für die eigentlich „echte“, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Der so genannte Verdrängungseffekt.

Durch deutlich verschärfte Zugangskriterien sank die Zahl der Neuzugänge in Ein-Euro-Jobs im August 2012 auf knapp 30.000 Personen. Im Jahresdurchschnitt 2011 waren es noch knapp 40.000, 2010 noch über 60.000 Menschen.

Soziale Effekte jenseits der Vermittlung in Arbeit

Doch Ein-Euro-Jobs können mehr, wie zwei aktuelle Studien zeigen. Bei schwer vermittelbaren Langzeitarbeitslosen, deren Chancen am ersten Arbeitsmarkt sehr gering sind, erfüllen sie eine soziale Integrationsfunktion. Die Teilnehmer nehmen wieder stärker am gesellschaftlichen Leben teil. Sie kommen mehr unter Menschen und haben das Gefühl, gebraucht zu werden und einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen.

Obwohl die Ein-Euro-Jobs keine „echten“, sozialversicherungspflichtigen Stellen sind, ähnelt der positive Effekt auf arbeitsmarktferne Langzeitarbeitslose dem einer regulären Beschäftigung.
Langzeitarbeitslose Menschen fühlen sich sehr stark gesellschaftlich ausgegrenzt und haben eine geringe Lebenszufriedenheit. Diese Auswirkungen der Arbeitslosigkeit können durch die Teilnahme an einem Ein-Euro-Job teilweise aufgefangen werden. Bei arbeitsmarktnäheren Personen ist der Effekt allerdings nicht zu beobachten, hier überwiegt die Frustration, weiterhin keine „echte“ Arbeit zu finden.

Soziale Integration ist nicht mehr Zielsetzung der Ein-Euro-Jobs

Seit den umfangreichen Änderungen des arbeitsmarktpolitischen Maßnahmenkatalogs durch die Instrumentenreform ist die soziale Integration ausdrücklich nicht mehr Zielsetzung der Ein-Euro-Jobs. Sie wurde gemeinsam mit dem Ziel der Qualifizierung gestrichen. Inzwischen geht es ausschließlich darum, die Teilnehmer beschäftigungsfähig zu machen, damit sie mittelfristig eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt finden.

Zum Weiterlesen:

Bernhard, Christoph; Hohmeyer, Kathrin (2012): Ein-Euro-Jobs aus Sicht der Betroffenen: Zur Binnenwahrnehmung eines kontroversen Instruments

Wulfgramm, Melike (2011): Subjektive Auswirkungen aktivierender Arbeitsmarktpolitik: Ein-Euro-Jobs als sozialintegrative Maßnahme?

O-Ton Arbeitsmarkt, Zurück ins (Arbeits-)Leben mit Ein-Euro-Jobs

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