zurück

Mehr als jede dritte offene Stelle in der Leiharbeit

(o-ton) 34 Prozent der offenen Stellen, die der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wurden, entfielen im Jahresdurchschnitt 2012 auf die Leiharbeitsbranche. Seit 2006 ist der Anteil der Leiharbeitsstellen an allen Stellenangeboten um vier Prozentpunkte gestiegen. Parallel dazu schloss die Bundesagentur für Arbeit zunehmend Kooperationsverträge mit Leiharbeitsunternehmen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen hervor.

Im Jahresdurchschnitt 2012 wurden der Bundesagentur für Arbeit (BA) rund 478.000 offene Stellen gemeldet. Etwa 164.000 beziehungsweise 34,3 Prozent dieser Stellen entfielen dabei auf die Arbeitnehmerüberlassung. Damit war mehr als jeder dritte durch die BA zu besetzende Arbeitsplatz im Jahr 2012 ein Leiharbeitsverhältnis.

Quelle: Vermittlung der Bundesagentur für Arbeit in Leiharbeit, Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen, S.8, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Zwischen den einzelnen Regionaldirektionen schwankt die Bedeutung der Leiharbeit leicht. In Baden-Württemberg lag der Anteil der Leiharbeitsverhältnisse an allen Stellenangeboten bei 35,5 Prozent, in Sachsen waren es rund 29 Prozent.

Zunehmende Bedeutung der Leiharbeit

Mit Ausnahme des Wirtschaftskrisenjahres 2009 und des Folgejahres 2010 hat der Anteil der Leiharbeitsverhältnisse an allen offenen Stellen in den letzten Jahren relativ kontinuierlich zugenommen. 2006 kamen noch 30,7 Prozent der Arbeitsangebote, die der BA gemeldet wurden, aus der Leiharbeit. Das sind rund vier Prozentpunkte weniger als 2012. Parallel hat die Bundesagentur für Arbeit immer mehr Kooperationsvereinbarungen mit Zeitarbeitsfirmen geschlossen. Regional gab es 2007 1.511 Kooperationsvereinbarungen, 2010 waren es bereits 2.128.

Quelle: Vermittlung der Bundesagentur für Arbeit in Leiharbeit, Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen, S.8-9, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Vermittlungsvorschläge in Leiharbeit haben sich mehr als verdreifacht

Bereits im Oktober 2012 hat der Vorsitzende des Hauptpersonalrats der BA Eberhard Einsiedler die massenweise Vermittlung in Leiharbeit angeprangert. Die Anzahl der Vermittlungsvorschläge in Leiharbeit habe sich zwischen 2007 und 2011 auf knapp neun Millionen mehr als verdreifacht (plus 276 Prozent).

Weiter heißt es in seinem Positionspapier: „Die Relation der ausgegebenen Vermittlungsvorschläge in Leiharbeit und solcher in Nicht-Leiharbeit hat sich gravierend zu Gunsten der Leiharbeit verschoben.“ 2007 kamen auf einen Vermittlungsvorschlag in Leiharbeit noch etwa drei Vermittlungsvorschläge in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis. 2011 hat sich das Verhältnis auf eins zu 1,7 verschoben.

Ähnliches gilt für die erfolgreiche Vermittlung in Arbeit. Zwischen 2007 und 2011 steigerte die Bundesagentur für Arbeit die Anzahl der erfolgreichen Vermittlungen in ein Leiharbeitsverhältnis um 242 Prozent – mehr als das Dreifache. Der Anstieg bei der Stellenbesetzung in reguläre Arbeit hingegen betrug im selben Zeitraum nur bescheidene 39 Prozent. Einsiedler kritisiert, dass die Beschäftigungsverhältnisse in der Leiharbeit selten nachhaltig sind. Von den im ersten Halbjahr 2012 ausgelaufenen Leiharbeitsverhältnissen dauerten 46 Prozent weniger als drei Monate.

Zum Weiterlesen:

Vermittlung der Bundesagentur für Arbeit in Leiharbeit, Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen (Drucksache 17/12443)

Eberhard Einsiedler, Perspektive Qualität, Diskussionspapier (Oktober 2012)