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Langzeitarbeitslosigkeit – Nur jeder Zehnte schafft es in Arbeit

Maßnahmen zur Senkung der Langzeitarbeitslosigkeit stehen politisch hoch im Kurs. Doch aktuelle Zahlen zeigen, dass nur ein geringer Anteil Langzeitarbeitsloser Arbeit findet. Mehr als jeder Zweite beendet die Langzeitarbeitslosigkeit dagegen ohne eine Beschäftigung aufzunehmen.

Im März 2017 gelangt es lediglich jedem zehnten Hartz-IV-Empfänger, die Langzeitarbeitslosigkeit durch Aufnahme einer abhängigen oder selbstständigen Arbeit zu beenden. Dabei zeigen sich im Vergleich zu Empfängern von Arbeitslosengeld große Unterschiede: In der Arbeitslosenversicherung gelang fast jedem fünften Langzeitarbeitslose die Aufnahme einer Beschäftigung.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Abgänge aus Arbeitslosigkeit, Sonderauswertung

Sinkende Langzeitarbeitslosenzahl aufgrund von Maßnahmen und Krankheit

Auffallend ist: Mehr als die Hälfte aller Hartz-IV-Empfänger beendet die Langzeitarbeitslosigkeit durch „Nichterwerbstätigkeit“. Hierzu zählen z.B. Krankheitszeiten von über sechs Wochen oder mangelnde Verfügbarkeit aufgrund mehrerer Terminversäumnisse oder der Pflege Angehöriger und Kinder. Fast jeder dritte Leistungsempfänger wird aufgrund der Teilnahme an einer Maßnahme oder der Aufnahme einer geförderten Beschäftigung nicht mehr als Langzeitarbeitsloser gezählt (O-Ton berichtete).

Langzeitarbeitslosigkeit: gesetzlich definiert und politisch steuerbar

Ein Rückgang der Langzeitarbeitslosenzahl bedeutet also keinesfalls, dass Langzeitarbeitslose Zugang zum Arbeitsmarkt finden und das Hartz-IV-System verlassen können. Denn wenn Langzeitarbeitslose an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme von mehr als sechs Wochen teilnehmen, zum Beispiel einem Ein-Euro-Job oder einer Weiterbildung, werden sie danach wieder als Kurzzeitarbeitslose gezählt, obwohl sie in der Zwischenzeit weder Arbeit gefunden noch den Arbeitslosengeldbezug beendet haben (O-Ton berichtete).

Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit leicht gemacht?

Die Problematik der Langzeitarbeitslosigkeit wurde zuletzt vom neuen Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) Detlef Scheele aufgegriffen. Scheele warb kurz nach seinem Amtsantritt damit, seinen Erfolg an der Spitze der BA an der Zahl der Langzeitarbeitslosen messen lassen zu wollen. Doch wer arbeitslos beziehungsweise langzeitarbeitslos ist, ist gesetzlich definiert und daher politisch steuerbar. Somit verkennt der Fokus auf die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit das eigentliche Problem. Der Zugang zum regulären Arbeitsmarkt bleibt, besonders im Hartz-IV-System, vielen Langzeitarbeitslosen verwehrt.

 

Zum Weiterlesen:

DPA Meldung, Scheele macht sich für Langzeitarbeitslose stark, in: Frankfurter Algemeine Zeitung, 10.04.2017.

Cordula Eubel, Arbeitsagentur-Chef Detlef Scheele: „Wenn man die Arbeit verliert, entwertet das den Menschen“, in: Der Tagesspiegel, 07.05.2017.

O-Ton Arbeitsmarkt, Bundesregierung hält an geschönter Statistik zu Langzeitarbeitslosen und Über-58-Jährigen fest, 08.09.2015.

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