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Ein-Euro-Jobs können Chancen am Arbeitsmarkt erhöhen

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Die Teilnahme an Ein-Euro-Jobs kann für einige Arbeitslose langfristig die Perspektive auf eine Beschäftigung verbessern, so eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Der Einsatz in Wirtschaftszweigen mit günstiger Arbeitsmarktlage wirkt sich besonders positiv aus. In den letzten Jahren nahmen allerdings immer weniger Arbeitslose an einem Ein-Euro-Job teil.

Für Arbeitslose, die besonders schlechte Chancen am Arbeitsmarkt haben, sind Arbeitsgelegenheiten (umgangssprachlich „Ein-Euro-Jobs“) das letzte Mittel der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Gemäß dem Förderkatalog der Bundesagentur für Arbeit (BA) sollen sie nur dann eingesetzt werden, wenn alle anderen Maßnahmen nicht (mehr) zielführend sind. Für besonders arbeitsmarktferne Personen soll die Beschäftigung in einer Arbeitsgelegenheit zunächst eine Heranführung an den Arbeitsmarkt herstellen und etwa durch geregelte Tagesabläufe die Beschäftigungsfähigkeit verbessern.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) konnte nun in einer Studie nachweisen, dass die Teilnahme an Arbeitsgelegenheiten sich mittel- und langfristig positiv auf die Beschäftigungsfähigkeit und das Erwerbseinkommen der Teilnehmenden auswirkt. Das IAB führt dies nicht nur auf die unmittelbaren Auswirkungen der Teilnahme zurück. Vielmehr könnte die Teilnahme an einem Ein-Euro-Job auch der Auslöser für anschließende Maßnahmen und Förderungen sein, die aufgrund der vorangehenden Heranführung an den Arbeitsmarkt effektiver würden.

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Die Autoren der Studie fanden außerdem heraus, dass das jeweilige Einsatzfeld der Ein-Euro-Jobs erheblichen Einfluss auf die Veränderung der Beschäftigungsperspektiven hat. Sie gehen davon aus, dass die besten Effekte besonders in den Wirtschaftszweigen, in denen eine Verbesserung der Arbeitsmarktlage erwartet werden kann, erzielt werden. Dies sei in ihrer Studie für Frauen in Arbeitsgelegenheiten beispielsweise im Bereich Gesundheit, Pflege, Kinderbetreuung und Jugendhilfe der Fall gewesen. Umgekehrt führten sie die negativen Auswirkungen von Ein-Euro-Jobs für Männer in Ostdeutschland im Bereich Umweltschutz und Landschaftspflege darauf zurück, dass dort kaum Nachfrage an Arbeitskräften am ersten Arbeitsmarkt besteht.

Keine „Locked-In“-Effekte?

Teilnehmende an Arbeitsgelegenheiten haben in der Regel multiple Vermittlungshemmnisse wie hohes Alter, gesundheitliche Einschränkungen oder Langzeitarbeitslosigkeit. Ihre Chancen am Arbeitsmarkt sind deshalb sehr gering. Der Erfolg von Arbeitsgelegenheiten sollte daher nach Auffassung der IAB-Forscher nicht an einer Arbeitsaufnahme sofort nach dem Ein-Euro-Job gemessen werden. Dies sei in den meisten Fällen eine unrealistische Erwartung.

Nach den Erkenntnissen des IAB beschränken sich die oft kritisierten „Locked-In“-Effekte für Ein-Euro-Jobber für die meisten Teilnehmenden auf die Zeit unmittelbar nach dem Beginn der Arbeitsgelegenheit. „Locked-In“-Effekte können entstehen, wenn Teilnehmende sich in ihrem Ein-Euro-Job „einrichten“ und die Suche nach einer regulären Arbeitsstelle vernachlässigen. Zudem ist denkbar, dass die Teilnahme an einer Arbeitsgelegenheit auf potenzielle Arbeitgeber eine abschreckende Wirkung hat. Da es sich bei der Zielgruppe von Arbeitsgelegenheiten um Personen mit sehr schlechten Beschäftigungschancen handelt, kann dieses Risiko jedoch mit den positiven Auswirkungen im Einzelfall abgewogen werden.

Immer weniger Ein-Euro-Jobs

Trotz der teilweise sehr positiven Befunde des IAB in Bezug auf die verbesserten Beschäftigungschancen von ehemaligen Ein-Euro-Jobbern gibt es immer weniger Teilnehmende in Arbeitsgelegenheiten. Die Förderstatistik der BA zeigt, dass im Jahr 2017 knapp 79.800 Personen einen Ein-Euro-Job hatten. Gegenüber dem Spitzenstand im Jahr 2006 ist das ein Rückgang um knapp 247.900 Teilnehmende beziehungsweise 76 Prozent. In den Jahren seit 2010 waren Arbeitsgelegenheiten bei Einsparungen im Bereich der öffentlich geförderten Beschäftigung am stärksten betroffen (O-Ton berichtete).

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

 von Lena Becher

 

 

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktpolitische Instrumente – Deutschland, West/Ost, Länder, Kreise, Regionaldirektionen, Agenturen für Arbeit (Zeitreihe Monatszahlen), März 2018.

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktpolitische Instrumente – Deutschland, West/Ost, Länder, Regionaldirektionen (Jahreszahlen), März 2018.

Kiesel, Markus und Wolff, Joachim (2018), Langfristige Teilnahmewirkungen von Ein-Euro-Jobs: Das Einsatzfeld hat Einfluss auf die Integrationschancen, IAB Kurzbericht 08/2018.

O-Ton Arbeitsmarkt, Öffentlich geförderte Beschäftigung: Leichter Zuwachs durch Bundesprogramme, 07.02.2018.