zurück

Integration in Arbeit: Schlechte Chancen für Hartz-IV-Empfänger

Einem von 34 Arbeitslosen im Hartz-IV-System gelang die Aufnahme einer Beschäftigung. Die Abgangsrate in Beschäftigung für Arbeitslose Hartz-IV-Empfänger ist damit auf konstant niedrigem Niveau. Bessere Arbeitsmarktchancen hatten hingegen Arbeitslose im System der Arbeitslosenversicherung: Jedem Siebten gelang der Übertritt aus Arbeitslosigkeit in Beschäftigung.

2017 gab es über 600.000 Abgänge aus Arbeitslosigkeit von Arbeitslosen im Hartz-IV-System (SGB II), die durch die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt verursacht wurden. Gegenüber dem Vorjahr gab es 13,5 Prozent weniger Abgänge in Beschäftigung. Arbeitslose im System der Arbeitslosenversicherung (SGB III) konnten dagegen häufiger ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Beschäftigung beenden: Knapp 1,5 Millionen Abgänge aus Arbeitslosigkeit in Beschäftigung zählte die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Jahr 2017.

Hochstimmung am Arbeitsmarkt – mit Fragezeichen

Der absolute Rückgang der Arbeitsaufnahmen lässt sich nicht durch den fortschreitenden Abbau der Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren erklären. Auch im Verhältnis zur Zahl der Arbeitslosen, also dem verfügbaren Arbeitskräftepotenzial, gab es weniger Übertritte in Beschäftigung. Setzt man die Abgänge in Beschäftigung in Beziehung zu den Arbeitslosen im Vormonat, ergibt sich für 2017 eine Abgangsrate von knapp drei Prozent im Hartz-IV-System. Trotz der überall hoch angepriesenen aktuellen Arbeitsmarktlage und immer noch über 1,7 Millionen Arbeitslosen im Hartz-IV-System gab es also wieder weniger Beschäftigungsaufnahmen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit und eigene Berechnungen, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Für arbeitslose Empfänger von Arbeitslosengeld I aus der Arbeitslosenversicherung waren die Arbeitsmarktchancen in 2017 unverändert. Mit einer Übergangsrate von 14,4 Prozent gelang rechnerisch rund jedem siebten arbeitslosen Empfänger von Arbeitslosengeld I die Beendigung der Arbeitslosigkeit durch Beschäftigungsaufnahme.

Sockelarbeitslosigkeit im Hartz-IV-System

Die Abgangsraten für Hartz-IV-Empfänger sind eindeutig und seit Jahren schlechter als im System der Arbeitslosenversicherung. Gründe dafür lassen sich in der Struktur der Arbeitslosigkeit im Hartz-IV-System finden. Hartz-IV-Empfänger sind im Durchschnitt schlechter qualifiziert und häufiger langzeitarbeitslos als Arbeitslose im System der Arbeitslosenversicherung (O-Ton berichtete). Die geringeren Abgangsraten im Hartz-IV-System sprechen dafür, dass sich Arbeitslosigkeit dort verfestigt – trotz der Hochstimmung am Arbeitsmarkt.

Arbeitslosigkeit beenden ohne Arbeitsaufnahme

Zahlreiche Arbeitslose beenden monatlich ihre Arbeitslosigkeit, obwohl sie eigentlich gar keine Arbeit gefunden haben. Denn nicht mehr arbeitslos sind Menschen für die Statistik der BA auch dann, wenn sie beispielsweise dem Arbeitsmarkt wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen nicht mehr zur Verfügung stehen, an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilnehmen oder ein Praktikum absolvieren (O-Ton berichtete hier und hier).

von Lena Becher

 

 

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslose nach Rechtskreisen – Deutschland, West/Ost und Länder (Zeitreihe Monatszahlen ab Januar 2005), Dezember 2010 – März 2018.

Bild: colourbox.de